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Beyond Good and Evil

Autor: Chris
Bewertung: 1-

Vertrieb & Entwicklung: UBI-Soft
Erscheinungsjahr: 2003
Plattformen: PS2, PC
Systemanforderungen PC: Windows 98, 2000, Me oder Windows XP, 1
28MB RAM
4fach CD-ROM, 3-D-Karte

 

Genre: Action-Adventure-Mix
USK-Freigabe: Ab 12

 

"Hillys", das ist ein Planet irgendwo da draußen. Auf diesem Planeten gibt es gar manch' seltsame Lebensform. Neben Menschen bevölkern viele "Tier-Mensch-Hybriden" den Planeten. Wie das wohl passiert ist, kann sich jeder selber ausmalen, und der Spruch "Er macht's mit Ziegen!" scheint nicht mal so falsch zu sein.

Jedenfalls war alles wunderbar, bis die bösen "Domz" kamen. Die Domz, das sind biomechanoide Alien-Biester, die dem Planeten schwer zu schaffen machen. Die regulären Streitkräfte von Hillys konnten den Aliens nicht beikommen, und so wurde die "Alpha-Abteilung" ins Leben gerufen, welche die Bevölkerung vor den Angriffen der Invasoren schützen sollte.

In der letzen Zeit hat das aber überhaupt nicht mehr geklappt; immer mehr Einwohner von Hillys verschwanden spurlos während die Alpha-Abteilung dabei keine allzu gute Figur ablieferte.

Als der Leuchtturm der jungen Foto-Reporterin "Jade" von den Domz attackiert wird, platzt der Dame der Kragen: Die Unfähigkeit der Alpha-Abteilung wird für Jade sichtbar, und daher schließt sie sich der Widerstandsbewegung "IRIS" an, welche den angeblichen Beschützern schon lange misstraut. Ab nun durchstreift Jade ihren Heimatplaneten, um Licht ins Dunkel zu bringen, wobei sie ausgiebig von ihrem Fotoapparat Gebrauch macht…

Frankreichs Spiele-Design-Wunderkind Michel Ancel ("Rayman") legt mit "Beyond Good and Evil" ein Spiel vor, welches sich in Summe nur schwer in die bekannten Genre-Schubladen stecken lässt. Vorab: Es ist wirklich kein Rayman-Clone geworden, was die Leute in Montpellier da zusammengebastelt haben. Weiterhin ist es fast unmöglich, alle Features aufzuzählen, die das Spiel beinhaltet.

Auf der PS2 erfolgt die Steuerung über die Analog-Sticks (das digitale Steuerkreuz wird für andere Sachen benötigt), während auf dem PC über Maus und Tastatur gespielt werden kann.

Auf dem Festland - besser gesagt in den Innenlevels - läuft Jade in der Regel zu Fuß durch die Gegend, während größere Strecken mit einem aufrüstbarem Hovercraft bewältigt werden müssen. Später steigt Jade auch schon mal auf ein Raumschiff um. Die Steuerung der Fahrzeuge ist stets an das "normale" Bewegungsspektrum der Protagonistin angelehnt, somit gibt es bei diesen Sequenzen keine größeren Umstellungsprobleme.

Egal ob zu Fuß oder in einem Fahrzeug, gespielt wird normalerweise aus der TR-Perspektive, wobei man allerdings bei Fahrzeugen alternativ eine Ego-Sicht verwenden kann. Die Maus bzw. der linke Analogstick sind dabei für die Kamera-Justierung zuständig.

Das Aktions-Repertoire ist dabei recht umfangreich. Jade kann gehen, laufen, schnell laufen, eine Hechtrolle vorwärts ausführen, sich an Wänden anlehnen, in geduckter Haltung herumschleichen und Gegner mit ihrem "Dai-Jo" (ein Prügelstab) verdreschen.

Die restlichen Bewegungen laufen kontextabhängig ab: Gibt es die Möglichkeit, irgendwo hochzusteigen oder über einen Abgrund zu springen, wird dies bei entsprechender Betätigung der Richtungstaste automatisch ausgeführt. Selbiges gilt für die Aktionstaste: Je nach Handlungsalternative wird dabei selbständig das Zweckmäßige durchgeführt, dabei ist es unerheblich, ob man nun ein Foto macht, mit dem Diskuswerfer kleine Scheiben durch die Gegend jagt oder im Hovercraft die Bordkanone betätigt.

Das alles wird über sage und schreibe acht Tasten koordiniert. Nach kurzer Eingewöhnungszeit merkt man gar nicht mehr, dass man diese definierten Tasten alle paar Minuten für andere Sachen verwendet.

In Anschluß an eine kurze Einführungssequenz am Leuchtturm beginnt gleich mal eine wüste Prügelorgie. Danach stellt sich heraus, dass Jade & Co. dringend Geld benötigen. Jades elektronischer Kumpel "Sekundus" (ein spanischer Gigolo mit herzerwärmendem Lispel-Akzent) weiß jedoch Rat: Das Naturkundemuseum von Hillys zahlt für alle fotografierten Lebensformen des Planeten "Einheiten".

Hier kommt dann auch erstmalig die Kamera zum Einsatz: In und um den Leuchtturm herum kann Jade alle Lebensformen fotografieren, um Einheiten zu kriegen. Die Bilder werden automatisch per E-Mail an das Naturkundemuseum versendet. Ist ein Film voll, wird Jade mit einem Zoom belohnt, später kriegt sie für volle Filmrollen immer Perlen, welche auf Hillys auch ein wichtiges Zahlungsmittel sind.

Mit dem Hovercraft geht es dann hinaus auf die Planetenoberfläche. In der Reparaturwerkstatt der "Mamangas" (karibische Rastafaris, die für "Mama" eine Werkstatt betreiben) kann sich Jade gegen Perlen Zubehörteile für ihr Hovercraft kaufen. Da gibt es beispielsweise Sprungfedern oder Impulswaffen. Der Erwerb solcher Gimmicks ist wichtig für den Spielverlauf. Viele Abschnitte lassen sich erst erreichen, wenn das Hovercraft aufgerüstet wurde.

Auf Hillys gibt es viel zu entdecken: Neben den Arbeiten für das Naturkundemuseum (die Jade übrigens auch während der Durchführung von anderen Missionen fortsetzen kann) gibt es die Möglichkeit, an wilden (insgesamt vier) Hovercraft-Rennen teilzunehmen. Der Sieger erhält eine Perle und sollte es mit dem ersten Platz nicht geklappt haben, kann jederzeit erneut teilgenommen werden.

In der Fußgängerzone von Hillys und an vielen Schlüsselstellen sind weiterhin Transaktionen möglich. Dort können Lebensmittel (zur Energieherstellung) oder Health-Upgrades und Ähnliches gekauft werden.

Hat man sich später mal im IRIS-Hauptquartier eingefunden, werden Aufträge vergeben. Primäres Ziel ist es dabei immer, Beweisfotos zu sammeln, welche in einem Untergrundblatt publiziert werden.

Hier offenbart das Spiel dann ein Feature, dass im Vorfeld gar nicht so groß erwähnt wurde: Jade infiltriert mehrheitlich Militär-Anlagen der Alpha-Abteilung. Wird sie bei ihren Aktionen entdeckt, hauen diese Mistkerle erbarmungslos zu. Die offene Konfrontation ist dabei eher zu meiden, zumeist werden nämlich gleich mehrere Wachen - die sich übrigens recht intelligent verhalten - aufgeschreckt, und für ungeübte Spieler wird es dann recht heftig.

Gottlob ist Jade aber nicht immer auf sich alleine gestellt, manchmal hat sie einen Mitstreiter an ihrer Seite. Diese Helfer können zwar nicht gesteuert werden, Jade kann ihnen aber befehlen, bestimmte Aktionen auszuführen.

Da wäre zuerst ihr schweinsgesichtiger Onkel "Peji" zu erwähnen. Mittels Rohrzange kann Peji bestimmte Gitter aufbrechen oder auf Kommando mit seinen Boost-Schuhen Gegner durch die Luft wirbeln, damit Jade diese besser mit ihrem Dai-Jo-Stab "bearbeiten" kann.

Im späteren Spielverlauf trifft Jade auf den IRIS-Geheimagenten "Double-H", welcher von der Statur und von den Bewegungen her stark an "Buzz Lightyear" aus der "Toy Story" erinnert. Double-H läuft die meiste Zeit mit Kopfschmerzen durch die Gegend. Das ist auch kein Wunder, zu seiner Spezialität zählt es nämlich, blockierte Zugänge mit seinem Schutzhelm umzurennen. Im Kampf verhält er sich ähnlich wie Peji und ermöglicht eine bessere Anvisierung von Feinden.

Ob die Mitstreiter Aktionen ausführen können, wird dabei im Display angezeigt. Somit ist immer gewährleistet, dass der Spieler weiß, was zu tun ist. Übrigens ist auch immer darauf zu achten, dass Peji oder Double-H bei guter Gesundheit sind, da ihr Ableben mit Spielabbruch bestraft wird. Ist ein Helfer geschwächt, kann Jade über Essensrationen deren Lebensenergie wieder herstellen.

Es führt einfach zu weit, alle Spiel-Elemente und die daraus resultierenden Kombinationen hier jetzt zu beschreiben, und daher belassen wir es dabei...nur noch soviel: Auch über das Inventar-System lässt sich manches Rätsel lösen...

 

Der Spielstand kann an großzügig verteilten Speicherpunkten gesichtert werden. Nach einem Spielabbruch wird in der Regel gleich im selben Raum ein Replay gestartet.

Dadurch spielt sich BGaE unglaublich flüssig, was auch auf alle Rätsel-Elemente und andere Probleme zutrifft. Weiß man nicht weiter, fragt man einfach den jeweiligen Partner, und dieser gibt dann meist einen passenden Tipp ab. Geldmangel gibt es in der Regel auch nicht. Durch spezielle Tools (etwa einen Tier- oder Perlen-Detektor) lässt sich in Windeseile Kohle verdienen.

Weiterhin muss man sich bei den Kämpfen keine Gedanken darüber machen, ob die Figur vielleicht in einen Abgrund stürzen könnte; Jade springt automatisch und treibt sich ein Gegner vielleicht in der Luft herum, schwenkt die Kamera selbstständig in eine passende Perspektive, um taktische Hinweise liefern zu können.

In Sachen Technik ist dem Spiel nicht viel vorzuwerfen. Es gibt schöne Animationen, passende Texturen - mal düster, mal mysteriös, mal romantisch - und etliche ansprechende Lichteffekte zu bewundern. Allerdings ist das Charakter-Design diverser Figuren schon etwas seltsam. Sprechende Kühe oder Schweine würde man wohl eher in einem Titel erwarten, der auf jüngere Zocker zugeschnitten ist. Dieser Umstand dürfte einige Leute dann auch vom Kauf abschrecken, was sehr schade ist, denn ein Kinderspiel, das ist BGaE nun wirklich nicht.

Hillys lebt: Überall sind Bewohner, Fahrzeuge & Tierchen unterwegs. Krass ist auch das Sichtspekturm: Vom Leuchtturm aus kann Jade über den Ozean bis auf Inseln sehen, auf welchen man sich später herumtreiben kann. Angeblich wurde die BGaE-Engine auch für "Prince of Persia" verwendet. Das würde nicht verwundern, der Zeitlupen-Effekt bei BGaE kann es jedenfalls mit den anderen Wettbewerbs-Titeln jederzeit aufnehmen.

Der Sound setzt gar noch eins drauf: Rocksongs wechseln sich mit Techno, Reggae und Flamenco-Punk ab. Zwischendurch gibt es auch noch filmreife Orchester-Themen, welche einmal rasant oder angenehm zurückhaltend arrangiert wurden.

Wohldosiert wird die Story mit kleinen Engine-Filmschnipseln weitererzählt. Bei diesen Szenen kommen meist Jade, Peji oder Double-H zu Wort. Vor allem Double-H ist immer wieder für Jokes gut, alleine schon, wenn man ihm beim Laufen zusieht. Die deutsche Lokalisierung ist übrigens geradezu vorbildlich: Neben einer Übertragung der Sprachausgabe wurden sogar sämtliche Ingame-Texture-Schriftzüge ins Deutsche übersetzt.

BGaE hat nur einen richtigen Minuspunkt: Die Spieldauer ist mit ca. zehn bis zwölf Stunden etwas kurz geraten, aber damit befindet es sich momentan leider in bester Gesellschaft; anscheinend werden diese Spiele generell immer kürzer.

Fazit: Beyond Good and Evil ist das geworden, was "Tomb Raider: Angel of Darkness" gerne gewesen wäre, ein Genre-Mix, der sich aus allerlei bekannten Elementen zusammensetzt aber trotzdem eine gute Spielbarkeit gewährleistet. Jedem, der jenseits der ausgelatschten Action-Adventure-Pfade nach Alternativen sucht, sei dieses Spiel ans Herz gelegt.

 

Bilder-Quelle: www.ubisoft.de