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Legacy of Kain: Blood Omen 2

Autor: Chris
Bewertung: 2


Vertrieb: Eidos Interactive
Entwickler: Crystal Dynamics (USA)
Erscheinungsjahr: 2002
Plattformen: PC, PS2
Systemanforderungen PC:Pentium III 450 Mhz, Windows 95/98/ME, 128 MB RAM, DirextX 8.0-kompatible Sound- und Grafikkarte (minimum 16 MB RAM) 850 MB Festplattenspeicher
Genre: Action-Adventure
USK-Freigabe: Ab 16


"Blood Omen 2" gehört zu den Spielen, deren Entwicklungsgeschichten etwas Erläuterung brauchen.

Im Jahr 1996 gab Activision bei Silicon Knights ein RPG mit dem Titel "Blood Omen: Legacy of Kain" für die PSX in Auftrag. Im Mittelpunkt dabei stand ein in einen Vampir verwandelter Edelmann mit dem schicken Namen "Kain".

Über Umwege gelangte die Lizenz anschließend in die Hände der Eidos-Tochter Crystal Dynamics. Dort wurde die Geschichte um die Figur "Raziel" erweitert und ein Genre-Wechsel zum Action-Adventure hin vollzogen. Zwei Spiele, "Legacy of Kain: Soul Reaver" (1998) und "Legacy of Kain: Soul Reaver 2" (2001), waren die unmittelbare Folge.

Mit "Legacy of Kain: Blood Omen 2" (man beachte den Namensdreher!) legt Crystal Dynamics nun das mittlerweile vierte Spiel der Reihe vor. Allerdings siedelte man die darin enthaltenen Ereignisse vor der Handlung der Soul-Reaver-Spiele und nach den Geschehnissen des Ursprungs-Titels an. Damit dürften alle Klarheiten beseitigt sein.

Zur Story in groben Zügen: Im Verlauf von "Blood Omen" entwickelte sich der Vampir-Neuling Kain schnell zu einem Vampir-Boss und überzog Nosgoth mit Krieg und Schrecken. Der Widerstand der Menschen war jedoch schnell formiert und der mächtige Orden der Sarafan-Krieger besiegte den bösen Kain am Ende in einer blutigen Schlacht.

Hier beginnt "Blood Omen 2": Mehr tot als lebendig wird Kain dem Anführer des Ordens - einem gewissen "Lord Sarafan" - im letzten Moment entrissen und in die Hauptstadt Meridian fortgeschafft. Kain fällt in einen jahrhunderte langen Tiefschlaf. In dieser Zeit errichtet der Sarafan-Orden ein strenges Regiment, dem die Bürger von Nosgoth ausgeliefert sind und fast allen Vampiren zum Verhängnis wird.

Einzig eine kleine Vampir-Rebellion, die "Cabal" (nicht zu verwechseln mit den Namensvettern aus TRAoD) kämpfen gegen die Tyrannei an. Da ist es natürlich ganz praktisch, dass Kain plötzlich aus dem Tiefschlaf erwacht und zusammen mit den Cabal gemeinsame Sache macht, um die Sarafanen aus Nosgoth zu vertreiben…

Der Spieler steuert Kain in bewährter Verfolger-Perspektive durch die einzelnen Kampagnen. Das Bewegungs-Repertoire besteht aus den sattsam bekannten Aktionen wie Laufen, Springen, Hochziehen, Klettern & Prügeln. Der Kontakt mit Wasser ist aus bekannten Gründen zu vermeiden, womit auch schon die Antwort auf Kains Schwimmfertigkeiten gegeben wird.

Die Steuerung erfolgt auf der PS2 über die Analogsticks und die Aktionstasten. Mit dem linken Stick wird gelaufen, mit dem rechten Stick kann man sich umsehen. Auf dem PC erfolgt dies über die Kombination Maus und entsprechende Handlungstasten.

Das Spielprinzip ist auch schnell erklärt: Drücke Schalter, ziehe Kisten und vermöble Soldaten, um in den nächsten Level zu kommen. Am Ende eines jeden größeren Abschnitts taucht ein Vampir auf, der sich auf die falsche Seite geschlagen hat. Nachdem Kain diesen eliminiert hat, bekommt er jeweils eine neue Fähigkeit, die so genannten "Dunklen Gaben":

NEBEL: Bewegt sich Kain durch Nebelschwaden, kann er sich auf Knopfdruck unsichtbar machen und so seinen Häschern entkommen oder diese hinterrücks ausschalten.

SPRINGEN: Neben der regulären Hüpfmöglichkeit kann Kain damit weit entfernte Ziele erreichen. Wird aus taktischen Überlegungen gelegentlich auch zum Angriff verwendet.

BANN: Gibt Kain die Kontrolle über eine auszuwählende Figur. Diese kann dann von Kain durch die Gegend bewegt werden, um Schalter zu drücken.

TELEKINESE: Einige weit entfernte Schalter (optisch klar gekennzeichnet) kann Kain über diese Fähigkeit aktivieren. Kann ebenfalls aus großer Distanz gegen gefährliche Gegner verwendet werden.

RASEREI: Verstärkt den Primär-Angriff.

BERSERKER: Verschnellert den Primär-Angriff.

OPFERUNG: Tötet Gegner ohne Berührung durch eine Flammenwand.

Die Dunklen Gaben müssen dazu benutzt werden, um im späteren Verlauf die oben genannten Grundaufgaben zu lösen, da diese nicht mehr so ohne Weiteres bewältigt werden können.

Beispiele: Kain steht vor einem Haus, dessen Türe versperrt ist. Durch das Fenster sieht Kain einen Schalter und einige Menschen. Mit dem "Bann"-Befehl kann Kain nun die Kontrolle über eine Figur innerhalb des Hauses übernehmen und somit diese Person steuern, um sich den Zugang zum Haus verschaffen zu können. Manche Schalter oder Durchgänge wiederum lassen sich manchmal nur benutzen, wenn man dies "unsichtbar" macht, weil sonst vom Wachpersonal der Ausgang blockiert wird.

Drei der Dunklen Gaben (Raserei, Berserker und Opferung) können aber nicht jederzeit benutzt werden, denn dazu muss ein entsprechender Energievorrat vorhanden sein. Jeder abgewehrte gegnerische Schlag füllt diesen Vorrat etwas auf. Ist die Anzeige ausreichend, kann eine der oben genannten Angriffsvarianten durchgeführt werden.

Die Schlägereien laufen immer gleich ab: Die Gegner laufen auf Kain zu und hauen ein paar Mal kräftig drauf. Wehrt man die Schläge nicht ab, ist man selber schuld. Danach geht man zum Gegenangriff über. Anfangs reichen da auch die regulären Kampfschläge aus, nach einiger Zeit werden die Gegner aber flinker und wehren Kains Schläge ihrerseits auch ab. Hier müssen dann die Spezialangriffe eingesetzt werden.

Die Wahl der Prügelwerkzeuge ist übrigens egal; Krallen-, Schwert- und Keulenlangriff sind von der Grundwirkung her identisch. Wird ein Schwert oder eine Keule allerdings mit einem Zauberspruch belegt, wird diese Waffe (bis sie unbrauchbar ist) etwas effektiver.

Kains Lebensenergie wird durch eine Blutanzeige am linken Bildschirmrand angezeigt. Diese Blutanzeige sinkt permanent leicht ab (bis zu einem Mindestlevel), und Kain ist daher so oder so gezwungen, diesen Blutvorrat immer wieder aufzufrischen, auch wenn er nicht von Gegnern verwundet wurde.

Das Blutsaugen erfolgt ganz einfach: Man stellt sich neben einen getöteten Gegner und drückt die entsprechende Taste. Danach "saugt" Kain das Blut seinem Opfer aus, und seine Lebensenergie erholt sich.

Je mehr Feinden Kain das Blut aussaugt und je mehr spezielle Magie-Punkte er aus dafür vorgesehenen Kisten holt, umso widerstandsfähiger wird Kain. Dies äußert sich dadurch, dass sich der Lebensbalken permanent verlängert, womit auch der Blutbedarf erhöht wird. Glücklicherweise haben die Feinde in späteren Abschnitten auch mehr Blut intus, so dass es kein Problem ist, einen hohen "Blutpegel" zu halten.

Zugegeben, das klingt alles ziemlich abgefahren, aber es lässt sich verbal leider nicht anders beschreiben.

Der Spielfortschritt wird mit dem Überlaufen von Kreissymbolen fixiert. Abgespeicherte Spiele beginnen immer beim letzten überlaufenen Kreis. Das Spiel ist somit hochlinear und es gibt keinen Bedarf, zuvor durchlaufene Gebiete nochmals zu besuchen. Segnet Kain das Zeitliche, setzt die Replay-Funktion beim letzten überlaufenen Kreis ohne Ladeverzögerung wieder an. Sehr erfreulich.

Grafisch schaut BO 2 durchaus gut aus. Die Slums von Meridian, die Hafenanlage, diverse verfluchte Festungen, vorzeitliche Industrieanlagen, geheimnisvolle Schluchten...jeder Abschnitt liefert ein dem Grundtenor verstärkendes Ambiente. Die Straßen von Meridian sind bevölkert, und an allen Ecken und Ende kann man Gespräche der Einwohner belauschen. Es ist alles detailliert, und es ist alles absolut stimmig, auch wenn viele Einwohner doch recht ähnlich aussehen.

Die Animationen werden zwar niemanden vom Hocker hauen, sind aber auf alle Fälle akzeptabel, und vor allem die Spezialmanöver zaubern schöne - zuweilen auch "Matrix-mäßige" - Einstellungen auf den Bildschirm.

Die Soundkulisse bietet einige düstere Melodien, zumeist beschränkt sich die akustische Begleitung jedoch auf passende Sound-Collagen und Hintergrundeffekte. Alle Dialoge und Filmszenen wurden mit überzeugenden Sprechern ins Deutsche übertragen. Die deutsche Stimme von Umah, der Widerstandskämpferin, kennt jeder TR-Fan; es handelt sich um Marion von Stengel, welche ja bekanntlich Lara Croft ihre Stimme leiht.

Die Steuerung auf der PS2 ist recht eingängig, allerdings gibt es auf dem PC einige Probleme, da eine 1:1-Übertragung der PS2-Steuerung anscheinend nicht realisierbar war. Glücklicherweise ist jedoch die (zwingende) Verwendung der Maus auf dem PC um Welten besser als bei TRAoD.

Wirkt das Spiel zu Beginn noch recht simpel, ergeben sich vor allem aus der Kombination der verschiedenen Dunklen Gaben im Spielverlauf recht nette Gameplay-Kombinationen. Je nach Gusto können Angriffsvarianten und Flucht durch Weitsprünge verwendet werden. Auch bei den Rätseleinlagen wirkt dieses Prinzip erstaunlich gut, weil die einzelnen Rätsel-Elemente ja eben wegen der einen oder anderen Fähigkeit extra implementiert wurden. Diese gesunde Mischung der verschiedenen Elemente sorgt dann auch für Abwechslung.

Lässt man sich auf Kämpfereien ein, laufen diese jedoch arg statisch ab, da sich die Gegner immer gleich verhalten. Hat man ein spezifisches Angriffsmuster einer Gegnergruppe durchschaut, ist der Rest nur noch Routine. Irgendwie wirken die Schlägereien nur wie Beiwerk, damit es eben auch noch ein bisserl Action im Spiel gibt.

Das Blutsaugen erscheint zu Beginn ja noch ganz witzig. Wenn man diese "Saug-Szene" aber permanent serviert bekommt, dann wird es aber doch langweilig. Außerdem muss im späteren Verlauf pro Gegner immer länger gesaugt werden. Da ist man dann einfach zum Zusehen verdammt, und das kann es doch wohl nicht sein.

Einige der Zwischen-Gegner sind leider hammerschwer. Das liegt zum einem an der Menge an Fallen, mit denen man da jeweils gleichzeitig konfrontiert wird, und zum andern an der Unkenntnis, was denn jetzt eigentlich zu machen ist. Wer es weiß, tut sich leicht und muss nur noch - mit Glück - die vorgesehenen Widrigkeiten umgehen. Wer nicht zufällig draufkommt, der ist - im wahrsten Sinne des Wortes - verdammt.

Über die Speicherfunktion kann man streiten. Glücklicherweise ist Crystal Dynamics jetzt vom alten Speichermanagement der Soul-Reaver-Titel abgekommen. Insofern ist das neue System eine echte Erleichterung. Ob definierte Rücksetzpunkte das Gelbe vom Ei sind, sei mal dahingestellt. BO 2 ist mit elf verschachtelten Abschnitten sehr umfangreich. Da überrascht es umso mehr, dass sich die Entwickler immer noch nicht zu einer freien Speicheroption der Marke Tomb Raider durchringen konnten.

Für TR-Fans ist "Blood Omen 2" neben den "Soul-Reaver"-Spielen eine echte Genre-Alternative. Das Spiel bietet ein schauriges Ambiente und TR-ähnliches Gameplay. Über die faden Kämpfe und das mit der Zeit nervende Blutsaugen muss man halt geflissentlich hinwegsehen, vielleicht juckt manch einen das gar nicht so sehr.

Bilderquelle: www.legacyofkain.de