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Lara Crofts
Rückkehr
von
EiskalterEngel
Wimbledon,
14.02.1968:
Ein
schmerzerfüllter Schrei erschallt durch die Hallen des Wimbledoner
Krankenhauses. Miss Croft verhilft mit ihrer letzten Kraft ihrer Tochter in die
Welt. Lara Croft wird geboren.
Wimbledon
18.08. 1970:
Erneut
liegt Miss Croft sen. im Krankenhaus. Auch diesmal, um einem Kind das Leben zu
schenken. Diesmal ist es ein Junge: Steven.
Das
Familienglück der Crofts scheint perfekt, aber was Mr. und Mrs. Croft noch
nicht wissen ist, dass sich dies noch drastisch ändern wird.
Lara
Crofts Anwesen, heute:
Trauernd
um ihre verschollene Tochter stehen Mr. und Mrs. Croft vor der riesigen
Statue, die zu Laras Ehren vor ihrem Anwesen errichtet worden war, als
diese vor einer knappen Woche in der Wüste von Ägypten spurlos verschwand.
Laras Bruder, Steven, ein sehr erfolgreicher Rechtsanwalt, steht zerstreut
etwas abseits, und weint um seine verlorene Schwester. Er hatte zwar nie
viel Kontakt zu ihr gehabt (seine Eltern hatten dies strengstens verboten),
aber dennoch fühlte er jedes Mal, wenn sie miteinander in einen Dialog
traten, tiefste Verbundenheit zu ihr. Auch Lara musste es so ergehen,
dass konnte man richtig fühlen. Während ihm die Tränen über seine Wangen
laufen, und sich dort mit den kalten Regentropfen vermischen, um dann
über sein Kinn auf den Boden zu fallen, kommt ihm eine Idee: „Ich werde
Lara finden, koste es was es wolle, und sei es mein eigenes Leben!"
Kaum, dass ihn dieser Gedanke durchzuckt, ist er schon nicht mehr davon
abzubringen. Denn anstatt mit seinen Eltern zum Trauerbankett zu fahren,
begibt er sich nach Hause, um sich dort für seine Expedition zu rüsten.
„Das
Abenteuer kann beginnen!", denkt er, während er die Gangway in Richtung
kaironischen Boden läuft. Dort wird er bereits von Werner von Croy
erwartet, der ihn zu der Stelle bringen soll, wo Lara verschüttet wurde.
Dort
angekommen, machen sich die beiden auf den Weg, um mit allen Mitteln ihre
Freundin und Schwester zu retten.
Am
Ort des Unglücks, sprich vor der Pyramide des Horus, bietet sich Steven
ein ernüchterndes Bild. Der Eingang zur Pyramide ist vollkommen verschüttet,
und die Spitze ist so sehr eingedrückt, dass man annehmen muss, das Schreckliches
im Inneren, dort, wo sich Lara jetzt befindet, geschehen sein muss. Die
Euphorie, mit der Steven anfangs an sein Unternehmen ging, schwindet nun
mit einem Schlag dahin, und macht einem Gefühl von trauriger Gewissheit,
gemischt mit verbissener Hoffnung Platz. Trotzdem beginnt sich Steven,
mit seinen Helfern an die Arbeit zu machen, denn er meint, je früher,
desto besser.
Zögernd,
und müde schlägt Lara derweilen ihre Augen auf, um mit dieser Bewegung
erstmals, den so scheint es, aussichtslosen Kampf mit der Bewusstlosigkeit
zu gewinnen. Verunsichert versucht sie sich aufzurichten, um ihre Umgebung
zu erkunden. Doch muss sie schockierenderweise feststellen, dass
ihr beides nicht gelingt. Zum einen ist es ihr nicht möglich, ihr verletztes
Bein zu bewegen, ohne dass ihr unsägliche Schmerzen widerfahren, zum anderen
ist es so dunkel, dass man selbst mit einem Infrarotgerät nur schwer Details
erkennen würde. Demotiviert legt sich Lara zurück. Aus ihren Augen fließen
vereinzelt warme Tränen. Ihre Gedanken rasen. „Wie viele Tage mögen draußen
bereits vergangen sein? Ob ich schon für tot erklärt worden bin?"
„Nein! Ich bin nicht tot! Ich werde hier entkommen, und aller Welt zeigen,
dass Lara Croft nicht so einfach stirbt!"
Lara
schöpft aus diesen Gedanken neuen Mut, und versucht noch einmal, sich zu
erheben. Ungeachtet aller Schmerzen, setzt sie sich auf. Völlig am Ende Ihrer
Kräfte lehnt sie sich zurück. Sie hatte erwartet, kalten Stein zu fühlen.
Stattdessen aber, drückt ein Rechteckiges, weiches Etwas auf ihren Rücken. Es
ist ihr Rucksack. Einen Moment lang will sie erleichtert aufschreien, aber sie lässt
es dann doch bleiben. Denn sie weiß, wie wichtig jedes Fünkchen Kraft auf
ihrem Weg nach oben sein wird. Mittlerweile hat Lara ihren Rucksack vom Rücken
genommen, um eine kleine Bestandsaufnahme vorzunehmen. Erfreut stellt sie fest,
dass sie noch folgendes besitzt:
Ø
1
kleines und ein großes Medipack
Ø
1
Beutel gefüllt mit Wasser
Ø
1
Taschenlampe + Ersatzbatterien
Ø
Jede
Menge an Waffen und Munition
Nach
sorgfältiger Prüfung und Überlegung beschließt sie nur einen Teil ihres
Waffenarsenals (sprich: ihre normalen Pistolen + Munition zur
Selbstverteidigung) mit zu nehmen. Außerdem verstaut sie ihr Fernglas im
Rucksack. Man kann ja nie wissen. Das große Medipack wendet sie gleich an, denn
irgendwie fühlt sie, dass ihr die nächsten Stunden 100% Energie abverlangen
werden. Hoffend und auch zögernd bewegt sich nun ihr Finger auf den
Ein/Ausschalter der Taschenlampe zu. Als der helle Strahl den Raum blitzartig
erleuchtet, und sich Laras Augen endlich an die ungewohnte Helligkeit gewöhnt
haben, sinkt ihr Mut. Um sie herum türmen sich riesige Felsbrocken, die ihr den
Weg versperren. Aber was hatte sie denn erwartet? Dass sich ein Weg, wie von
Gotteshand geschaffen, durch die Geröllmassen bahnt, der sie bis zum Ausgang
bringt? Nein! So einfach wäre es doch irgendwie langweilig geworden. Erstaunt
über ihre eigenen Gedanken erkundet sie die Höhle, die sich um sie aufgebaut
hat. „Irgendwie kommt mir das alles hier bekannt vor!", denkt sich Lara,
nach genauerer Inspektion. Erst jetzt fällt ihr auf, dass der Boden über und
über mit Wasser bedeckt ist. „Ich befinde mich wieder in der Halle des Horus!",
kommen die Worte stockend über Laras Lippen. Und tatsächlich befindet sie sich
in genau dem Raum, von wo aus sie vor nicht einmal 5 Tagen den Gott der
Finsternis, Seth, besiegt hat. Krampfhaft versucht sie sich an alle Winkel und
Ecken der Halle zu erinnern, doch irgendwie gelingt es ihr nie ganz, sich ein
Bild zu machen. Erst als sie die steinernen Treppenstufen erkennt, die unter
Schutt begraben liegen, kann sie sich ungefähr vorstellen, wo genau sie ist. Um
nicht noch länger untätig im Wasser herumzuhocken, nimmt sie ihre Armbrust, um
mit den Pfeilen Hebel zu schaffen, mit denen sie die Steinblöcke besser
verschieben kann.
Nach
ungefähr 5 Stunden harter Arbeit gönnt sie sich eine Pause, um einen Schluck
Wasser zu sich zu nehmen. Völlig fertig lehnt sie sich an die Sprossenwand, die
sich hinter ihr befindet, und nippt an ihrem Wasserbeutel. Um ein Haar hätte
sie das Wasser wieder ausgespuckt, als sie endlich begreift: Sie befindet sich
genau vor der Sprossenwand, die in die nächsthöhere Etage führt. Schnell
packt sie alles zusammen, und beginnt nach oben zu klettern. Unter der natürlich
verschlossenen Luke nimmt sie nochmals alle Kraft zusammen, um sich dann mit
voller Wucht dagegen zu stemmen. Es
gelingt ihr erst nach dem 3. Versuch, den riesigen Steinblock bei Seite zu drücken,
der die Luke von oben verschließt. Völlig entkräftet klettert sie die letzten
zehn Sprossen nach oben. Dort bricht sie abermals zusammen, und bleibt benommen
liegen.
Währenddessen
sind an der Oberfläche bereits riesige Maschinen am Werk, die Steinblock um
Steinblock langsam abtransportieren, um einen kleinen Eingang in die Pyramide
frei zu legen. Die Maschinen arbeiten bis tief in die Nachtstunden hinein, bis
endlich eine Lücke, von ungefähr 1m² im Boden auftaucht. Sie scheint sehr
tief zu sein, denn es gelingt nicht einmal mit den großen Scheinwerfern, den
Boden zu beleuchten. Steven, der auf diesen Augenblick bereits fiebernd gewartet
hat, schnallt sich nun seinen Vorratsrucksack um, um in die tiefe Ungewissheit
zu klettern. Das Seil mit dem er sich in die Tiefe lässt, scheuert unablässig
an der scharfen Gesteinswand, was zur Folge hat, dass es reißt, als Steven noch
knappe 2 Meter vom Boden entfernt hängt. Mit einem lauten Knall landet Steven
auf dem Boden. Gott sei Dank, berühren seine Beine als Erstes den Boden, was
den Aufprall einigermaßen lindert. Von oben her dringen Stimmen, die sich nach
seinem Befinden erkundigen. Steven beruhigt seine Gefährten und macht sich auf
den Weg. Je weiter er in die Pyramide eindringt, um so unheimlicher wird ihm.
Einerseits, weil er sich im klaren darüber ist, dass es hier immer noch intakte
Fallen geben könnte und andererseits, weil es sich nun bald herausstellen wird
ob seine Schwester noch am Leben ist.
Lara
hingegen bekommt vom Rummel oben herzlich wenig mit. Benommen öffnet sie die
Augen, um nachzusehen, ob von diesem Raum ein Weg wegführt. Und tatsächlich lässt
sich am Ende des Ganges ein schmaler Spalt erkennen, durch den unheimliches, düsteres
Licht fällt. Lara richtet sich nun ganz auf, und bewegt sich langsam auf den
Spalt zu. Er ist bei weitem zu eng, als dass sie sich durchzwängen könnte,
aber irgendwie hat sie das Gefühl, als ob das gut so ist. Denn wenn sie nicht
durch den Spalt passt, dann kann auch nichts hindurch gelangen, was ihr gefährlich
werden könnte.
Wie
auf Kommando ertönt plötzlich ein ohrenbetäubendes Brüllen. Lara erschrickt,
und hüpft schnell nach hinten, als auch schon ein riesiges Etwas an der Spalte
vorbei läuft. Lara erkennt es sofort wieder. Es ist eines der Ungeheuer vom
Vorhof der Haupthalle. Eines dieser unbeschreiblich mordlüsternen, gierigen,
brutalen Biester. Zum ersten Mal seit Tagen, ist Lara wirklich glücklich darüber,
hier drinnen allein zu sein. Ein weiterer Schrei ertönt. Dieser unterscheidet
sich gewaltig vom Brüllen des Monsters. Er klingt ängstlicher und gehetzter.
Er klingt irgendwie MENSCHLICH!
Der
Schrei entfuhr Steven, dem ein, ihm unbekanntes, riesiges Monster entgegenlief.
Er verdankt sein Leben einzig und allein der Schwerfälligkeit dieses Tieres,
denn Steven kann sich in letzter Sekunde, gerade noch rechtzeitig den
Klauen des Monsters entziehen, in dem er sich auf die Seite wirft und
davon sprintet, während das Monster an ihm vorbeiläuft und mit der Mauer,
vor der Steven stand, Bekanntschaft macht. Obwohl der Anblick grotesk
und überaus komisch wirkt, ist Steven nicht zum Lachen zu Mute. Denn er
weiß, dass diese Kreatur nur noch wütender sein wird, wenn es sich wieder
besonnen hat. Steven sprintet weiter, rollt sich unter zu tief hängenden
Steinblöcken hindurch und zwängt sich durch extrem schmale Ritzen. Sein
Lauf wird jedoch jäh gestoppt, indem er gegen ein Hindernis läuft, von
dem er schwören könnte, dass es vor einer halben Sekunde noch nicht da
gewesen war. Doch ihm bleibt keine Zeit zum Nachdenken, denn schon wird
er grob durch einen Spalt gezerrt, und kann dann mitverfolgen, wie eine
Gestalt versucht, den besagten Spalt möglichst schnell wieder zu verengen.
Es
durchzuckt ihn wie ein Blitz aus heiterem Himmel, als er realisiert, wer ihm das
Leben gerettet hat. Lara dreht sich zu ihm herum, schwenkt mit der Taschenlampe
auf Stevens Gesicht, so dass dieser geblendet aufkeucht. Lara ist wie zu Eis
erstarrt, denn sie bewegt sich nicht mehr und macht auch keine Anstalten, den
Lichtkegel von Stevens Gesicht zu lösen.
„St-st-even?",
keucht Lara, als sie den Mann, den sie gerade gerettet hat, als ihren Bruder
identifiziert. „Steven, bist du das?" fragt sie nun mit ungläubiger
Stimme.
Steven,
der vor Freude selbst noch nicht ganz bei sich ist, sieht zu Lara hoch und
meint: „Lara, du lebst!" Die beiden fallen sich in die Arme und bleiben
einige Minuten so eng umschlungen stehen. „Wie bist du hier her gelangt?"
bohrt Lara, während ihr Träne um Träne über ihr bleiches Gesicht rollen.
Steven schluchzt, und erzählt Lara seine Geschichte. Als diese beendet ist,
werden Steven und Lara aus ihren sentimentalen Zuständen gerissen. Es scheint,
als hätte das Monster der Geschichte gelauscht. Denn gerade, als das letzte
Wort gefallen ist, ertönt ein Schaben und Kratzen auf der anderen Seite des
Spaltes. Steven und Lara schalten zwar schnell, aber nicht schnell genug. Kaum,
dass die Geräusche begonnen haben, bewegt sich auch schon der riesige
Steinblock, der die eine Seite des Spaltes bildet. Jetzt stellt sich aus heraus,
warum das Monster während Stevens Erzählung so leise war. Es war nicht etwa
gebannt, nein, ganz im Gegenteil. Es hat Verstärkung geholt, indem es das 2.
Monster aus dem 1. Kellergeschoss befreit hat. Also steht es jetzt 2 gegen 2.
Eigentlich fair, zählte man nach der Anzahl und nicht nach der Körpermasse.
Aber anstatt über Fairness zu philosophieren ist jetzt Nachdenken angesagt.
Dass man mit Waffengewalt bei diesen Kreaturen nicht sonderlich weit kommt,
wurde ja bereits vor knappen 7 Tagen zur Genüge bewiesen. Daher ist nun
Intelligenz gefragt. Nur, dass der Verstand bekanntlich
immer dann versagt, wenn man ihn am nötigsten braucht. So auch dieses
Mal. Lara und ihr Bruder erkennen die Aussichtslosigkeit der Situation sofort.
Sie umarmen sich noch ein letztes Mal, und warten darauf, dass 2 grässliche,
stinkende Mäuler über sie herfallen.
Doch
das sollte nie geschehen. Stattdessen fällt auf der anderen Seite des, nun
bereits auf die Größe eines richtigen Durchgangs angewachsenen, Spaltes ein
Schuss. Die beiden Monster heben irritiert ihre Köpfe und drehen sich um.
Hinter ihnen steht Werner von Croy. Auf seinen Stock gestützt, und in der
Rechten eine Pistole auf die monströsen Kreaturen richtend, schreit er Lara und
Steven entgegen:
„Lauft
um euer Leben! Ich werde sie aufhalten!" In seinen Augen glitzern kleine Tränen.
„Ich könnte es kein zweites Mal ertragen dich sterben zu sehen, Lara!".
Mit diesen Worten drückt von Croy ein weiteres Mal ab, was ihn zum neuen Opfer
Nummer 1der Biester werden lässt. Diese wenden sich um, und stürzen sich
sofort auf ihr neues Opfer. Lara und Steven hetzen sofort los, direkt am
grauenhaften Schauspiel vorbei.
An
der Klippe vor dem Ausgang angekommen hängt bereits ein weiteres Seil
bereit, mit dem sich Werner in die Tiefe herabgelassen haben musste. Lara
und Steven klettern so schnell wie nur möglich am Seil hoch. Oben angekommen,
bricht ein Strom von Tränen aus Laras Augen aus. „WERNER! NEIN!",
schluchzt Lara, während sie in die Arme ihres ebenfalls weinenden Bruders
fällt. Werner von Croy hatte sein Leben geopfert, um das ihre zu retten.
„Ich könnte es kein zweites Mal ertragen, dich sterben zu sehen, Lara",
hallt von Croy's Stimme in Laras Gedanken wider. Lara krümmt sich vor
Schmerz am Boden, und weint sich in den Schlaf.
Am
nächsten Morgen, kurz vor ihrer Abreise betrachtet sie noch einmal die Pyramide
des Horus. „Danke und leb wohl Werner", murmelt sie, während sie sich
umwendet, um mit ihrem Bruder gemeinsam in das Auto zu steigen, welches sie ins
Flugzeug Richtung England bringen wird.
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