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Level 5: Amerika - Hollywood


Am Flughafen wartete schon ihr Wagen. Larahs Mund machte ein kleines o, als sich die Privatgarage öffnete. Eine rote Corvette! "Wer hat diesen Level programmiert?" smilte sie.

Sie stieg ein - mit einem satten Brabbeln erwachte der Motor zum Leben. Larahs Finger strichen über das Lederlenkrad. "Wohin zuerst? Venice Beach????"

Ein Zitronenfalter flatterte im Zickzack an der Windschutzscheibe vorbei. "Keep cool, vergiß nicht, warum du hier bist!" Ok, also als erstes einen Blick auf "Hollywood Hype" werfen....

War nicht schwer zu finden, diese modernen Navigationssysteme haben eine Menge drauf. Das Brecheisen machte sich nützlich, als Larah das Studio durch den Hintereingang betrat. An einem Mischpult stand ein Aschenbecher in Form eines Totenschädels. Eine halb abgebrannte Kippe kokelte vor sich hin. Larah sah sich im Halbdunkeln um. Auf einem Zeichentisch lag ein knittriges Blatt mit einer Skizze. Sie konnte die olympischen Ringe erkennen.

Hmmm? Olympische Ringe?? Das hier waren SECHS Kreise, die ineinander übergingen - das musste eine Zeichnung der Musikmaschine sein! Aber da war noch etwas anderes auf der Zeichnung zu erkennen...

Sie knipste die Lampe am Zeichentisch an und sah sich die Skizze genauer an. Jetzt konnte sie sehen, dass es sich um eine Art "asiatisches Reispapier" handelte. Ein Wasserzeichen schien durch. Drei der sechs Kreise waren nun eindeutig als Teile des Schriftzugs HOLLYWOOD zu identifizieren.

Larah bewegte das Blatt vor der Lampe leicht hin und her. Ja - einer der Kreise trug eine Markierung - er schimmerte leicht rötlich. Larah stopfte das Blatt in ihr Inventory. Immer noch war niemand zu sehen. Die Kippe war mittlerweile abgebrannt, ein kleines stinkendes Rauchfähnchen stieg aus dem Totenschädel auf. Sehr stimmungsvoll, dachte Larah, warf sich in die Corvette und raste los - in Richtung Griffith Park.

An einer Ampel blieb sie neben einem kleinen japanischen Auto stehen. Sie neigte sich etwas mehr nach rechts und runzelte die Stirn. Was klebte da an der Seitenscheibe? Ein kleines, gelbes Etwas, nein, es war nicht gelb, es war orange, es war... ein Garfield!

Die Ampel schaltete auf grün. Soviel Zeit muss sein, murmelte Larah. Sie machte die Augen zu schmalen Schlitzen, zog den Laserpointer aus dem Inventar (thanx to Bernhard)... und ein roter Strahl schoß in Richtung des kleinen Autos. Zosch!!! Vier kleine Gumminoppen waren fest mit der Glasscheibe verschmolzen, an ihnen klebten noch ein paar orangefarbene Fusseln. Das war alles, was von dem Kuscheltierchen noch übrig war. "Das könnte ich noch etwas perfektionieren", schmunzelte Larah, schaltete die Traction Control aus und startete mit quietschenden Reifen durch.

"You've come a long way, baby" in den CD-Player und die Anlage voll aufgedreht. "Manchmal weiß ich genau, warum ich diesen Job mache...." lächelte Larah und ließ noch etwas Gummi auf der Straße. Ihr Ziel war gar nicht zu übersehen: der große HOLLYWOOD-Schriftzug im Griffith Park. Sie stellte den Wagen an einem *Viewpoint* ab und ging auf den Abhang zu.

Als sie die singenden Reifen hörte, war ihr sofort klar, dass da irgendwas nicht stimmte. Sie konnte sich gerade noch umdrehen, um zu sehen, dass der weiße Rolls Royce, der sie schon die ganze Zeit verfolgt hatte, hinter der nächste Kurve gewendet hatte und jetzt mit hoher Geschwindigkeit auf sie zu kam. Sie hatte keine Chance, der Wagen kickte sie mit dem vorderen rechten Kotflügel praktisch direkt über die Klippe.

Medipack....Medipack....wenigstens ein halbes......

Verdammt, sie konnte sich kaum noch rühren, in Zeitlupe bewegte sich ihre Finger auf die Escape-Taste zu. Auf halbem Weg fiel ihre Hand herunter. Sie hatte nicht mehr genügend Kraft, das Medipack zu öffnen. Ihr wurde langsam schwarz vor Augen, und sie fühlte sich plötzlich seltsam leicht. Bruchstücke aus ihren früheren Abenteuern schwirrten ihr durch den Kopf. Sie zuckte leicht zusammen, als sie das entfernte Grollen einer Mumie hörte. Sie versuchte, das Geräusch zu lokalisieren....dieser Laut musste aus ihrer Erinnerung kommen: weder in TR III noch in Mission Megahart gab es Mumien!

Das Brummen kam näher. Das waren doch...Worte? Jemand versuchte, ihr etwas zu sagen. Sie konnte es nicht verstehen... Verzweifelt versuchte sie, den Sinn des Gemurmels auszumachen. Ihre Finger zuckten zum Medipack, in einer allerletzten Anstrengung... Und plötzlich glaubte sie, die Worte deutlicher hören zu können. "Ein Tomb Raider gibt niemals auf..." Die Stimme hatte eine hypnotische Wirkung auf sie. "Ein Tomb Raider gibt niemals auf..." Ganz langsam bekam sie etwas zu fassen. "Ein Tomb Raider gibt niemals auf..." Sie spürte den rauhen Stoff des Medipacks. Aaaahhhh... Ihr Lebensbalken schnellte nach oben.

Sie sah, wie die zwei Typen aus dem Rolls Royce im Gestrüpp herumstiefelten und nach ihr suchten. Larah richtete sich auf. Shotgun, Lieblingswaffe. Treffer - versenkt. Treffer - versenkt. Mit einer sehenswerten Hechtrolle durch das O von H*O*LLYWOOD machte sich Larah auf den Weg zurück. Unter dem Buchstaben hatte sie die fünfte CD gefunden! Etwas wehmütig dachte sie noch einmal flüchtig an die Corvette.

Larah war zurück in der City. In den Hollywood Hills hatte sie kurz ein Gespräch der beiden Rolls Royce Killer belauschen können. Ihr nächstes Ziel war jetzt das Spago's, DAS Nobelrestaurant in LA. Dort sollte sich Baby Übner angeblich zum Dinner verabredet haben.

Larah betrat das Restaurant. Gute Vorarbeit - ein Tisch war bereits für sie reserviert ;-) Strategisch günstig gelegen, sie hatte alles im Blick. Während sie lustlos in der Menükarte herumblätterte, weckte ein niedlich plauderndes Stimmchen ihr Interesse. Larah neigte ihren Kopf leicht nach links und ihr Blick blieb an einem netten Girl hängen, das ganz allein an einem Tisch in der Nähe saß.

Das Girl schaute verträumt auf ihren Teller und... sprach mit... dem Spinat??? Larah spitzte die Ohren. "Mach doch noch mal blubb", konnte sie das Girl sagen hören. Larah kam eine Idee - Hunger hatte sie eh keinen. Sie schob ihren Stuhl mit einem kreischenden Geräusch zurück und stand auf. Im Hinausgehen blieb sie kurz beim Spinat stehen. "Komm schon, tu ihr doch den Gefallen, wo sie dich doch so nett bittet". Das wirklich sehr sympathische Girl warf ihr einen aufrichtig dankbaren Blick zu.

Gerade als die Schwingtüren sich hinter Larah geschlossen hatte, erhörte der Spinat das Flehen und machte *blubb*. Kurzer Zwischenspurt - und die entsetzten Schreie der teuer und vormals auch reinlich gekleideten Restaurantgäste wurden schnell leiser....

Hinter dem nächsten Block blieb sie stehen und spähte zurück. Gut kalkuliert!! Da kam er schon, dieser Widerling Übner, stinkwütend, dass sein strahlendweißer Rohseide-Zweireiher ein neues Muster bekommen hatte. "Paßt irgendwie zu Ostern, diese grasgrünen Stippen..." lachte Larah. Hinter Übner kamen zwei Bodyguards aus dem Spago's, und dann - ebenfalls eingerahmt von zwei stämmigen Schlägern - kam .. das war doch........

*Annette*


*Partyman*

... barx kildo. Larah rieb sich die Augen und benutzte Ihr nigel-nagel-neues Turbofernglas, welches sie nach erfolgreicher Reklamation von Vielmann erhalten hatte. Kein Zweifel es ist barx kildo!

In diesem Augenblick kam aus dem Spago's mit einem breitem Grinsen im Mundwinkel das Spinat-Girl an Larah vorbei und faselte irgendwas von: " Das war eine gute Überleitung, hi, hi", und verschwand stöckelnd und stolpernd im Dunkeln der 12"Avenue Road. Larah nahm ihre Heckler & Koch MP5 in den Anschlag und zog mit ernster Miene und gleichmäßigen Schritten Richtung Übner und Schläger.

Die Aktion: " Freiheit für barx kildo" nahm ihren Lauf. Die News-Flash Reporterin Kerstin war live dabei. Ihr Bericht: Larah rannte im Laufschritt auf die Truppe zu. Im Laufen nahm sie noch ein Medipack zu sich. Die Schlägertruppe bemerkte die junge Heldin, und sie zogen geschlossen ihre Waffen. Dann ging alles sehr schnell. Schüsse fielen auf beiden Seiten. Die Schläger schirmten Übner und barx kildo ab, während eine große weiße Limousine vorfuhr. Zwei der Schläger rannten frontal auf Larah zu. Übner brüllte noch: "Macht Sie kalt". Aber die zwei kamen nicht weit, sie sackten im Kugelhagel der MP5 zusammen.

Mit quietschenden Reifen rauschte die weiße Limousine mit Übner und unserem Schlagerhelden barx kildo davon. Larah holte das letzte aus ihrer MP5 heraus und schoss auf die Limousine... Zwecklos... Panzerglas... Sie zog ihren Raketenwerfer und...

"Nein", dachte sie, "Dann geht ja unser barx kildo auch hops... Verdammt... was jetzt?"

In diesem Augenblick stoppte mit quietschenden Reifen eine Harley neben ihr. "Spring auf, schnell!" rief eine Frauenstimme.

"Wer bist du?" fragte die verdutzte Larah.

"Keine Zeit, ich bin Kerstin und wohl zur Zeit dein einziger Rettungsanker".

Larah überlegte nicht lange und sprang auf das Motorrad, welches mit quietschenden Reifen die Verfolgung der weißen Limousine aufnahm. Quer durch dunkle Straßen ging die Verfolgungsjagd. Die Limousine bemerkte nichts von der Verfolgung. Nach einiger Zeit bog die Limousine auf einen einsamen abgelegen Platz ab.

Kerstin stoppte ihre Harley. "Sieht wie ein Flugzeug-Landeplatz aus", meinte Kerstin.

"Aber da sind keine Lichter", stellte Larah fest. "Ich muss die Jungs benachrichtigen", und holte ihre MBI Thinkpad vom Niemayer heraus. Sie verschanzten sich beide hinter einem Stapel Holzkisten.

"Verdammt!" fluchte sie, mit einem *wuiiiii* und einem anschließenden *ssssssmmmmmmm* gab das Notebook seinen Geist auf. "Verdammt warum habe ich bloß wieder den Toasterman an das Notebook gelassen !" fauchte Larah. "Der bekommt doch sonst alles hin!"

"Wer bekommt alles hin?" fragte Kerstin.

"Ach, der Toasterman, der repariert alles. Aber meine Computer repariert er immer kaputt. Er ist so eine Art Mc Gayver von Hessen, letztens hat er aus einer Armbanduhr eine Atombombe gebaut" antwortete Larah. "Und er ist so niedlich, und er........"

In diesem Augenblick wurde von Übners Leuten auf dem Platz die Landelichter eingeschaltet, und in der Ferne konnte man ein Flugzeuggeräusch vernehmen.

"Larah, ich unterrichte deine Freunde", meinte Kerstin. "Unser Computerfreak Cybill aus meiner Redaktion wird das für dich erledigen. Keine Sorge - Cybill bekommt alles hin. Die Nachricht ist schon so gut wie da."

Eine Propellermaschine setzte zur Landung an. Larah notierte die Kennung der Propellermaschine und die Nachricht für ihre Jungs auf einen Zettel und übergab diesen Kerstin. Larah verabschiedete sich mit den Worten: "Hier ist die Nachricht, die E-Mail Adresse von den Jungs steht auch drauf. Danke für deine Hilfe, Kerstin."

Larah rannte im Schutze der Dunkelheit zu der mittlerweile gelandeten Propellermaschine und ging unentdeckt an Bord. Im Lagerraum des Flugzeuges versteckte sie sich zwischen Holzkisten. Sie sah noch wie Übner und acht Bodyguards mit barx Kildo das Flugzeug betraten.

Woowhhh, der eine Kerl war über zwei Meter groß und hatte den strampelnden, protestbrüllenden barx kildo wie eine Handtasche unter seinem rechten Arm gepackt. Mit einem lauten "Dunk" verstummten die Proteste von barx Kildo, dessen Kopf Bekanntschaft mit der Flugzeugeingangstür machte.

"Dunk" "Dunk" "Dunk" - der zwei Meter große Kerl hatte Spaß daran gefunden barx kildo ruhig zu stellen.

"Hör auf, Mike" brüllte Übner. "Wir brauchen vielleicht den Kopf noch von diesem Schlagerfuzzie."

"Jetzt eingreifen wäre sinnlos!" dachte Larah... "Wo mag es wohl hingehen?" Larah zählte noch mal die gefunden CD's. Fünf Stück an der Zahl, alles Originale.

Eine CD fehlt noch. "Die soll ja angeblich in China sein", dachte sie. "Hat dieser Übner es geschafft die sechs CD's zu fälschen? Sind die CD's vielleicht hier in diesen Kisten drin?"

Während Larah weiter drüber nachdachte und die Propellermaschine mit unbekannten Ziel vom Flugplatz abhob, fielen ihre wunderbaren Augen langsam zu und sie versank in einen tiefen Schlaf........

*Partyman*


*Annette*

Irgendein Geräusch weckte Larah. Sie schlug die Augen auf. Um sie herum war alles stockdunkel. Sie setzte sich im Bett auf und tastete nach dem Schalter der Nachttischlampe. Klick, klick. Klick, klick. War die Birne durchgebrannt? Am Abend hatte sie noch funktioniert. Das Herz schlug ihr bis zum Hals, und sie schaute sich langsam um, immer noch nach dem Geräusch horchend, das sie aus dem Schlaf gerissen hatte. Aber es war nichts mehr zu hören. Und es war wirklich sehr dunkel. Warum war sie so unruhig?

Sie stand lautlos auf und tappte über den weichen Teppich in Richtung Zimmertür. Tack, Tack. Verdammt, kein Licht. Larah tastete sich wieder zurück Richtung Bett. Auf dem Stuhl davor lag ihre Ausrüstung.

Mittlerweile war sie hellwach. Blitzschnell hatte sie sich etwas übergestreift und griff gerade noch die Maglite, als sie das Geräusch wieder hörte. Sie hielt mitten in der Bewegung inne. Es hörte sich an, als ob etwas sehr schweres über den Boden geschleift würde. Schwrrffffff, bump. Stille. Schwrrffffff, schwrrffffff, schwrrffffff. Stille. Bump.

Woher kam das? Auf Zehenspitzen schlich Larah zu Zimmertür und öffnete sie vorsichtig einen Spalt. Da war das Geräusch wieder: Schwrrffffff, bump, schwrrffffff. Larah schob sich seitlich durch die Türöffnung.

Auch im Flur lag ein weicher Teppich, der ihre Schritte dämpfte. Jetzt konnte sie das Geräusch deutlicher hören. Es kam aus dem oberen Stockwerk. Larah stand ganz still und versuchte, ruhiger zu werden. Sie atmete ein paarmal tief durch und machte sich vorsichtig auf den Weg nach oben.

Nach einigen Schritten lauschte sie wieder nach dem Schleifgeräusch. Schwrrffffff - diesmal etwas näher. Sie wagte nicht, die Taschenlampe zu benutzen. Es war auch nicht nötig. Der ungebetene Gast, der diese Geräusche erzeugte, hätte sie eher bemerkt, als sie ihn. Und Larah kannte sich in diesem Haus auch im Dunkeln sehr gut aus.

Die Zimmer im oberen Stockwerk standen mehr oder weniger leer. Einige waren spärlich möbliert, andere standen ganz leer. Larah hörte wieder ein dumpfes Bump, diesmal konnte sie es genau lokalisieren. Es kam aus einem der Räume am Ende des Gangs.

Mit flinken Schritten, beinah unhörbar, rannte Larah den Gang entlang, auf die offenstehende Tür zu. Das erste was sie sah, war, dass ein Fensterflügel aufstand. Der Mond schien für einen Moment zwischen den Wolken hindurch, und sie blickte sich im Zimmer um.

Dies hier war einer der ganz leeren Räume, nicht einmal mehr Bilder oder Teppiche waren noch hier. Außer ihr war niemand hier. Doch mitten im Raum konnte sie einen dunklen Schatten ausmachen. Sie ging vorsichtig darauf zu. Jetzt knipste sie die Taschenlampe an. Was war das? Eine alte Pferdedecke, in die etwas eingewickelt war..... Larahs Puls raste.

Sie ging ein paar Schritte näher und bemerkte, dass der Boden unter ihren Füßen feucht war. Rund um die braune Decke hatte sich eine Lache ausgebreitet. Die Flüssigkeit sickerte langsam in die Ritzen zwischen den alten Holzdielen. Ein Übelkeit erregender Gestank stieg ihr in die Nase. Mit der Fußspitze stieß sie eine Ecke der oben übereinander geschlagenen Decke zur Seite.....

Hatte sie laut geschrien? Niemand schien etwas gehört zu haben. Das Dröhnen der Propellermotoren hatte ihren Aufschrei vielleicht übertönt. Larah drehte ihren Kopf langsam nach rechts und links und fühlte mit der linken Hand nach ihrer völlig verspannten Nackenmuskulatur. Auf ihrer Oberlippe hatten sich kleine Schweißperlen gebildet. Sie schüttelte langsam den Kopf, um wieder klar denken zu können.

Es war immer der gleiche Traum. Er quälte sie seit Jahren. Irgendwann würde sie in dieses Haus in der Nähe von Paris zurückkehren müssen. Irgendwann würde sie dem Geheimnis dieses Alptraums auf die Spur kommen. Was hatte sie damals gesehen? Sie wusste, sie würde sich wohl erst in diesem Haus wieder daran erinnern können.....

 


*Hans*

Ihr war klar, dass sie etwas unternehmen musste. Nie war sie so nah an barx rangekommen, seine Rettung schien in greifbarer Nähe. Aber das waren acht Bodyguards, und ihre Waffen konnte sie in dem Flugzeug kaum benutzen, ohne auch barx zu gefährden. Sie musste ungesehen in die Passagierkabine gelangen. Da entdeckte sie auch schon eine schmale Einstiegsluke und öffnete sie vorsichtig.

Langsam zwängte sie sich durch und befand sich nun im hinteren Küchenraum der Maschine. Die Bodyguards schliefen fast alle, und barx war gefesselt und geknebelt auf einem der hinteren Sitze untergebracht.

Sie schaute sich in der Küche um und öffnete leise ein Fach - kling - ein Geheimnis. Das gab's ja schon lange nicht mehr. Aber was sie fand, war von unschätzbarem Wert - ein Fallschirm.

Fieberhaft öffnete sie ein weiteres Fach - kling - wieder Glück gehabt. Aber was war das? In dem Fach war ein Kasten Bier. Sollte wohl für meine Jungs sein, dachte Larah und suchte fieberhaft weiter. Aber es gab nichts mehr zu finden.

Plötzlich hörte sie, wie sich jemand der Küchenkabine nährte. Sie drückte sich neben dem Eingang an die Wand und wartete - und da kam auch schon einer der Bodyguards herein. Mit einem gezielten Handkantenschlag streckte sie ihn zu Boden. Durch den Lärm aufgeschreckt, kamen sofort nochmal zwei hinterher, auch die waren kein Problem für Larah. Dann noch ein vierter, und Larah dachte schon, das läuft ja wie am Schnürchen, aber der Nachschub blieb aus.

Also ging sie in die Passagierkabine wo sich sofort zwei üble Typen auf sie stürzten. Der ein flog auf die rechte Sitzreihe, der andere auf die linke, und beide waren k.o., als Larah an ihnen vorbei ging. Vor ihr stand nun der Zweimetertyp mit einem Pumpgun im Anschlag und grinste Larah blöd an. Ein anderer Typ, der auch nicht viel heller in der Birne war als der schwachsinnige Riese, stand neben ihm.

"Ich mach dich jetzt kalt, du Schlampe." griente der Dummkopf.

"Bist du sicher, dass ich eine Schlampe bin oder verwechselst du mich mit deiner Schwester?" fragte Larah unschuldig. Das Grinsen verschwand, und der Schwachkopf dachte hörbar nach.

"Ähm, was ist schon sicher? Aber kalt machen tu ich dich", und das saublöde Grinsen setzte wieder ein.

"Hör mal, mein Junge, wenn Du hier rumballerst, gehen wir alle drauf. Du, ich, deine Spießgesellen und dein Boss Übner. Und der wird dann ganz schön sauer sein."

Das Grinsen verschwand wieder, und der Riese sah jetzt aus wie ein echter Vollidiot, was er zweifelsohne auch war.

"Ja, Mann - wenn wir alle draufgehen, dann wir Übner stinkig, dann gibt’s was in die Fresse", bemerkte der andere.

Der Riesendepp fragte dann: “Und was machen wir dann?"

Larah breitete die Arme aus und sagte: “Kommt zu Mami, meine Jungs."

Und die beiden Tölpel gingen auf Larah zu. Als sie nahe genug waren, klappte Larah die Arme blitzschnell zusammen, und mit einem hohlen Dong knallten die beiden Knallköpfe zusammen und gingen zu Boden.

"Tja, das hab ich von Buddy abgekuckt", sagte Larah und lächelte.

Die Kabine war jetzt gesäubert, Übner war vorne im Cockpit und bekam nichts davon mit. Schnell löste sie barx von den Fesseln und zog ihm den Knebel aus dem Mund.

"Aaaaahhhh, danke" sagte barx erleichtert, aber auch erschöpft - und nach einer kurzen Atempause: "Hi Larah, schön dich zu sehen, dachte schon es wäre aus mit mir."

Larah setzte sich neben ihn und fragte: "Sag mal, warum schleppt dich Übner eigentlich um die ganze Welt?

barx begann zu erzählen: "Eigentlich wollten sie mich ja gleich umbringen, aber vorher wollten sie noch wissen, ob ich schon irgendwelche Aufnahmen von mir hätte. Ich wollte es ihnen nicht verraten, aber sie haben mich gefoltert."

Larah war empört: "Diese Schweine, was haben sie mit dir gemacht?"

barx erklärte angewidert: “Ich musste Schlager anhören von Robert König, Christoph Andersrum, Costas Morales, Barthar Ilfisch...."

Larah sprang auf. "Hör auf damit, das ist ja entsetzlich."

barx nickte und fuhr fort. “Dann bin ich zusammengebrochen und habe alles gesagt. Ich habe ein paar Demobänder an verschiedene Freunde geschickt. Alte Urlaubsbekanntschaften aus Paris, Kairo, Kreta und an einen Freund auf Bali. Übner will nun die Bänder und danach wird er mich abservieren."

Larah schüttelte den Kopf. "Nein, dazu wird es nicht kommen, wir verschwinden jetzt gleich. Gib mir nur noch die Adressen deiner Freunde."
Während Larah die Namen und Anschriften notierte, funkte Übner, der alles genau mitgehört hatte, nach Denver an einen Bekannten der Fastfoodmafia und bat um Unterstützung.

Larah schnallte sich den Fallschirm um und öffnete die Tür. Sie winkte einen völlig bleichen barx zu sich und sagte: "Halt dich einfach gut fest." Vorsichtshalber speicherte sie noch mal ab, was barx ungemein beruhigte. Dann sprangen sie gemeinsam aus dem Flugzeug.

Als sich der Fallschirm öffnete, umkreiste sie unser bereits bekanntes Engelchen und klimperte fröhlich auf der Harfe. Larah dachte, die Melodie kenn' ich doch... Es geht eine Träne auf Reisen... als sie etwas unsanft auf dem Boden aufschlugen. Die Gegend sah ähnlich aus wie Nevada, und Larah betete zu allen ihr bekannten Teufeln, dass sie nicht im Area 51 gelandet waren.

Kaum waren sie aufgestanden, sahen sie sich umringt von einer Horde schwer bewaffneter Gangster. Man nahm Larah die Waffen weg (Franty wird verrückt, wenn er das mitbekommt, dachte Larah), und sie wurden beide gefesselt und abgeführt.

Larah wurde auf die Pritsche eines Pickup geworfen und barx in einen Jeep gezerrt. Mühselig fummelte Larah den kleinen Laserpointer aus ihrer Hosentasche, den hatten die Gangster zum Glück übersehen, und zerschnitt damit ihre Fesseln. Sie fuhren auf irgendeiner Landstraße durch eine menschenleere Gegend Richtung Osten. Als sie an einem einsamen, verkommenen Rasthof vorbeifuhren, ließ Larah sich von dem Pickup fallen. Da sie in dem letzten Fahrzeug des Konvois waren, bemerke das keiner von den Halunken.

Auf einem Schild stand "Silver Spoon - Colorado" - sie war also am Fuße der Rocky Montains. Larah ging in die Bar in der ein paar übellaunige Burschen hinter der Theke rumlungerten. "Los, bringt was zu trinken Jungs, sonst seh' ich für euch schwarz." Die Bestellung in den Rockys macht man anders als im Harz. Dann schnappte sie sich das Telefon und wählte Norberts Handy an.

Norbert: "Hi."

Larah: "Hi Norbert, wo seid ihr?"

Norbert: "Im Planet Hollywood. Arnie und Bruce wollen, das wir das Drehbuch für 'Stirb langsam 4' schreiben. Aber Partyman und Hans wollen lieber eine Filmrolle."

Larah: “Die sollten sich lieber für einen Werner-Film melden, beinhart. Jetzt kommt und holt mich ab. Wir müssen sofort nach Paris."

Während Larah noch von ihrem Erlebnis erzählte, machte sich Norbert mit den anderen auf den Weg zum Flughafen.

Als sie Larah aufgelesen hatten, machte sich Bernhard über Larahs Laptop her. Die fünf CD's, die Larah in einem Geheimfach ihres Rucksacks versteckt hatte, waren noch da, und ihre Jungs rüsteten sie wieder mit allen Waffen aus. Der Flug nach Paris war ruhig und erholsam und nach der Landung war Larah wieder topfit.