|
Level
6
Paris
Das Haus
war in der Rue Lepic, mitten im Künstlerviertel am Montmartre. Larah beobachtete
es eine Weile von außen, es brannte nirgends Licht.
Plötzlich
hörte sie eine Stimme von hinten. “Hey, das ist mein Platz." Larah
drehte sich um und vor ihr stand eine rothaarige, aufgetakelte Bordsteinschwalbe.
Als sie Larah von oben bis unten gemustert hatte, fielen ihr fast die
Augen aus. “Wo hast du dir die Dinger machen lassen?" fragte das
Mädchen fassunglos. Larah blickte sie nur eiskalt an, und die Tussi verzog
sich beeindruckt.
Als sie sich
dem Haus wieder zuwandte, sah sie zwei Typen aus dem Haus kommen. Der
eine war gut zwei Meter groß - aha, ihr Freund, das Riesenbaby aus dem
Flugzeug. Die zwei trotteten gemächlich Richtung Metrostation, und Larah
folgte ihnen mit gebührendem Abstand.
Sie gingen
die Treppe hinunter und bestiegen eine Metro, doch als Larah nachkam,
schlossen sich schon die Türen und die Metro fuhr los.
Verdammt,
dachte Larah, ich hasse U-Bahnschächte. Aber ihr blieb nichts anderes
übrig, als auf die Schienen zu springen und der Metro nachzujagen. An
der nächsten Station erreichte Larah den Zug und sprang hinten auf. Vorsichtig
schaute sie durch das Fenster, ihre zwei "Freunde" waren noch
da. An der nächsten Station stiegen die schweren Jungs aus, sie waren
am Place Blanche, kurz vor dem Moulin Rouge.
Aha, nach
getaner Arbeit gönnen sich die Jungs wohl noch ein bisschen Vergnügen,
dachte Larah. Aber die zwei gingen nicht zum Haupteingang, sondern betraten
von hinten das Gebäude über den Bühneneingang. Larah folgte ihnen unauffällig.
Sie gingen durch einen langen, schummrigen Gang und stiegen dann eine
Treppe hinauf. Im oberen Stockwerk verschwanden sie dann in einem Zimmer.
Larah öffnete
die Türe einen Spalt und schaute vorsichtig hinein. Da saß Übner mit einem
anderen schmierigen Typen an einem Tisch. Von barx keine Spur. Die zwei
Hirnis standen vor ihm, und das Riesenbaby berichtete: “Äh Boss, äh, wir
haben das Band. Äh, den Kerl haben wir erledigt, äh."
Übner sagte:
“Gut gemacht. In einer Woche fliegen wir dann nach Kairo. Ich habe hier
noch einiges zu erledigen."
Larah war
wohl doch etwas zu unvorsichtig, denn das Riesenbaby drehte sich plötzlich
um und rief: “Da, da... meine Mami, äh, nein, die Schlampe, äh, nein meine
Schwester..." Larah drehte sich um und flitzte los. Bis der total
verblödete Typ Übner erklären konnte, wen er gesehen hat, konnte sie sich
einen schönen Vorsprung verschaffen.
Sie rannte
die Treppe hinunter und den Gang entlang, als auch schon Schüsse vielen.
Sie öffnete eine Tür, die zur Garderobe führte. Ca. 50 barbusige Schönheiten
waren gerade dabei, sich für ihren Auftritt vorzubereiten.
Larah rief: “Schnell raus hier! Ich kenn' den Autor, der diesen Part geschrieben
hat, hier geht gleich alles hoch." Die Mädchen kreischten los und
stürzten auf die Bühne, was die Zuschauer mit einem besonderen Applaus
belohnten.
Aber die
Tänzerinnen begannen nicht wie gewohnt mit der Vorstellung, sondern hüpften
panikartig in den Zuschauerraum, was zu einem infernalischen Applaus führte.
Kurz vorher muss wohl die Nummer mit dem Mädchen im Aquarium gezeigt worden
sein, denn ein riesiges Wasserbecken stand vor der Bühne.
Larah hörte
wieder Schüsse hinter sich, rannte auf die Bühne und machte eine Seitenrolle
und zog ihre Uzis und schoß zurück. Die Zuschauer hielt sie wohl für eine
besondere Attraktion und steigerten noch ihren Applaus und fingen nun
auch noch an zu grölen. Ein Schuß traf das Wasserbecken und mehrere Tausend
Liter Wasser kühlte die Stimmung im Saal merklich ab.
Das Chaos
war perfekt, das Publikum wälzte sich mit den Mädchen auf dem nassen Boden
und versuchte robbend Richtung Ausgang zu gelangen, aber der Boden war
einfach zu schlüpfrig.
Larah hatte
keine Deckung, und in den nassen Zuschauerraum wollte sie auch nicht.
Sie rief: "Hey Sweety, hör mal auf zu schießen."
"Äh,
meinst Du mich?" fragte das Riesenbaby, der Kerl war wirklich zum
schreien dumm.
"Ja,
du bist doch ein lieber Junge, oder?" Larah hörte, wie er nachdachte,
als er sein mechanisches Gehirn in Gang setze.
"Ähm,
jo, eigentlich schon. Äh, meine Mutter, äh, hat immer gesagt...."
Das war ja
nicht auszuhalten. "Wenn du ein lieber Junge bist, gibst du mir jetzt
deine Waffe und läßt mich gehen. Wenn du mich nämlich erschießt, bekommst
du Ärger mit meinen Freunden. Willst du Ärger?"
Sein Gehirn
arbeitet auf Hochtouren "Äh, nein, natürlich nicht."
Der Kerl
ließ tatsächlich die Waffe fallen, und Larah überlegte sich schon, ihn
einfach umzupusten. Aber irgendwie hatte sie auch ihren Spaß mit dem Typ,
und so ging sei an ihm vorbei und lächelte ihn dabei zuckersüß an.
Als sie draußen
war, sah sie ein Motorrad an der Ecke stehen, die Schlüssel steckten.
Perfekt, dachte Larah und schwang sich auf die 1100 Kawa und brauste los,
bevor das Riesenbaby es sich anders überlegen konnte.
Aber Übner
und der andere Killer waren schneller und jagten in einem Mercedes hinter
ihr her. In rasendem Tempo fuhren sie durch das nächtliche Paris Richtung
Place de la Concorde. Übners Benz ließ sich nicht abschütteln, und so
bog Larah links ab Richtung Louvre.
Durch eine
schmale Einfahrt gelangte sie in den Innenhof des Louvre, dich gefolgt
von Übner. Sie drehte die Maschine voll auf und raste mit 180 Sachen auf
die Glaspyramide zu - Übner immer noch dicht hinter ihr. Die Pyramide
wirkte wie eine Sprungschanze, und Larah fegte darüber hinweg, durchschoss
ein Fenster und landete im dritten Stock des Palais du Louvre in einem
prunkvollen Saal mit herrlichen Gemälden.
Übners Schweinebenz
dagegen zertrümmerte die Glaspyramide und stürzte hinunter in die Eingangshalle.
Larah fuhr
mit ihrer Maschine die Treppen hinunter und donnerte durch eine verschlossene
Türe auf die Straße. Für heute hatte sie genug, und sie entschloß sich,
zu ihren Freunden, die bestimmt schon im Hotel Ambassador-Concord waren,
zu fahren. Sie hatten dort ein riesiges Apartment im obersten Stock gemietet.
Tatsächlich
waren alle schon dort, und Bernie zeigte ihnen gerade auf der Dachterrasse
seine neueste Bastelarbeit. Er hatte Larahs Laserpointer verbessert und
führte ihn gerade vor. Ein drei Meter langer, roter Lichtstrahl schoß
in die Nacht.
"Wozu
ist denn das Rädchen?" fragte Hans und nahm Bernie den Apparat aus
der Hand. Er drehte das Rädchen bis zum Anschlag auf. Der Lichtstrahl
reichte jetzt gut 3 km über Paris, bedrohlich nah neben dem Eiffelturm.
"Nein!"
schrie Bernie und riß Hans den Laserpointer aus der Hand. Und mit dieser
kleinen, einfachen Handbewegung schnitt er den oberen Teil des Eiffelturms
einfach ab, der mit Getöse in die Tiefe sauste. Der Aufschlag war in ganz
Paris zu hören.
"Ups"
sagte Hans, und "Ups" sagte Bernie. Larah schüttelte nur den
Kopf, und Norbert war sauer, schließlich wollten sie am nächsten Tag dort
rauf.
Larah erzählte
ihnen, dass sie noch eine Woche Zeit hätten, ehe Übner nach Kairo wollte.
Und so berieten sie, was sie während dieser Zeit unternehmen sollten.
*Hans*
*Annette*
Tja, eine
Angelegenheit ging Larah nun wirklich nicht mehr aus dem Kopf. Sie musste
unbedingt der alten Villa noch einen Besuch abstatten. Der Traum, den
sie im Flugzeug gehabt hatte - dieser Traum, der sie nun schon seit Jahren
verfolgte - ließ ihr nun keine Ruhe mehr. Wer wusste schon, wann sie wieder
einmal diese Gelegenheit haben würde...
"Ich
habe wirklich nicht vor, mich hier über die Autobahn zu quälen. Bernhard,
mein Schatz, ich brauch' den Hubschrauber-Cheat! Wie lang wird das dauern???"
Bernhard
grinste in Larahs Richtung und klappte den Laptop auf. "Keine zwanzig
Sekunden, Chefin! Wenn's einmal läuft... Hast du deine Armbanduhr um?"
Larah hob ihren rechten Arm etwas in die Höhe.
"Here
we go", sagte Bernhard, und fing an, den Cheatcode in den Laptop
einzutippen. OK, 20 Sekunden, Larahs Blick blieb an der Uhr hängen. Eigentlich
komische Frage von Bernhard - hast du deine Uhr um - sie würde in einer
Mission niemals ohne ihre Uhr unterwegs sein! Meine Güte, die sah aber
mittlerweile ganz schön ramponiert aus, das Zifferblatt war ziemlich verkratzt.
Ach ja, jetzt fiel es ihr wieder ein. Larah lächelte. Die Kratzer stammten
aus dem Indien-Level von TR III. Verdammt, diese sechsarmigen "Armleuchter"
hatten sie wirklich ein paar Minuten lang beschäftigt......
"Madame,
l'hélicoptère est à vous!" meldete sich Bernhard wieder. An der Armbanduhr
blinkte jetzt ein kleines rotes Licht. Larah drückte das *jameingottichhabsgesehenknöpfchen*
und nickte ihrem Cheatmaster noch kurz zu. "Danke, mein Lieber."
"Macht
Euch einen schönen Abend, Jungs, Euch fällt da doch bestimmt noch das
eine oder andere ein, oder ;-)? Wir sehen uns dann später!"
Der Hubschrauber
hob sich knatternd vom Dach des Hotels Ambassador-Concord in den errötenden
Abendhimmel. Während des Flugs ging Larah noch einmal durch den Kopf,
was bisher passiert war. Sie war durchaus zufrieden mit dem bisherigen
Ergebnis ihres Auftrags. Aber sie hatte - verdammt - barx kildo schon
wieder verloren... Wohin hatten die Schurken ihn bloß verschleppt? War
er immer noch in den USA? Oder nahm Übner ihn etwa auf seine Trips rund
um die Welt mit?
In einiger
Entfernung tauchte das alte Herrenhaus auf. Direkt neben einem unberührt
und sehr verlockend aussehenden Weizenfeld. Larah senkte den Helikopter
langsam ab und beschrieb einen sehr gleichmäßigen Kreis. Rauf... und wieder
runter, jetzt ein X. Rauf und wieder runter.... ein Dreieck. Der Hubschrauber-Cheat
funktioniert Eins A, freute sich Larah. Mystische Kornfeldkreise...
Grüße an
alle PSX-ler!
Maison Bellevue.
Als ob ich es nie verlassen hätte, dachte Larah. Die Eingangstür öffnete
sie mit dem aufgerüsteten Laserpointer, kleinste Stufe. Das Ergebnis war
eindrucksvoll. Die Tür aus 400 Jahre alter Limousin-Eiche verschmurgelte
innerhalb kürzester Zeit zu Asche. "Muss vielleicht doch nochmal
etwas nachgearbeitet werden, bisschen mehr Sensibilität könnte nicht schaden",
dachte Larah und machte mit *ALT* einen kleinen Sprung über das schwelende
Schutthäufchen hinweg in die Eingangshalle.
Nein, es
hatte sich wirklich nicht viel verändert. Das Haus stand mittlerweile
seit Jahren leer, und als Larah über die dicken Teppiche ging, stieg bei
jedem Schritt eine dicke Staubwolke auf. "Hey, ist mein zweiter Vorname
vielleicht 'Pig Pen'?" fauchte Larah der Autorin des Levels zu und
wedelte pikiert mit der Hand vor ihrer Nase herum.
Ein wenig
mulmig war ihr schon zumute, als sie die Treppe in die obere Etage hochjagte.
Eigentlich konnte niemand sie hier erwarten, aber vorsorglich entsicherte
sie im Hinauflaufen die Shotgun.
Der Raum
am Ende des Gangs zog sie magisch an. Larah ging jetzt ganz langsam und
vorsichtig vorwärts. Eigentlich konnte sie sich eine solche Emotionalität
gar nicht erlauben, aber irgendwie hatte sie doch leicht zittrige Knie.
"Reiß
Dich zusammen" flüsterte sich vor sich hin. "Was soll schon
passieren..." Wahrscheinlich war das Zimmer eh leer, und die ganze
Geschichte war wirklich nur ein Traum. Mit dem rechten Fuß trat sie die
Tür auf, und stürmte hinein, die Shotgun im Anschlag...
...und blieb
wie angewurzelt stehen. Mitten im ansonsten völlig leeren Raum lag tatsächlich
die braune Decke. Ein seltsam muffiger Gestank hing in der Luft. Larah
ging vorsichtig ein wenig näher heran. Es ließ sich noch gut erkennen,
dass eine Flüssigkeit durch den Stoff gesickert war. Die musste aber schon
vor Ewigkeiten eingetrocknet sein. Die Decke war jetzt pulvertrocken und
ebenfalls mit einer dicken Staubschicht überzogen. Die dunklen Stellen
auf dem Holzboden ließen aber das schlimmste befürchten.
"OK,
let's go for it, babe... Du wolltest es unbedingt wissen..." Mit
dem Lauf der Shotgun schob Larah vorsichtig den dicken Stoff zur Seite.
Der Anblick ließ ihr den Atem stocken. "Ich fass es nicht",
stammelte Larah immer wieder. "Ich kann es einfach nicht glauben..."
Ok - skurril.
Ok - bizarr. Ok - grotesk. Zu britischen Butlern und ihrem Verhalten fiel
einem schon eine Menge ein, aber das hier war doch wohl wirklich die Krönung.
Dass er die Tageszeitungen bügelte, das war Larah ja nicht neu. Aber dass
ihr altes Faktotum James - das ihr zu Hause permanent mit einem klappernden
Teetablett hinterherlief, ihr immer im Weg rumstand und ihr des öfteren
gehörig auf die Nerven ging - dass der alte James sämtliche gebrauchten
Teeblätter ihres fast einjährigen Aufenthalts hier in der Nähe von Paris
gesammelt und aufgehoben hatte, das sprengte ihr Vorstellungsvermögen!
"Und ich hab immer gedacht, Kaffeesatz sei ein guter Blumendünger"
zog Larah die Augenbrauen hoch. "So kann man sich täuschen!"
Wird wohl
doch Zeit, dass ich mich mal wieder zu Hause sehen lasse, dachte sie während
des Rückflugs zum Hotel. Wer wusste schon, in wievielen Zimmern ihres
hochherrschaftlichen Manors der alte Simpel schon Teeblätter-Lager angelegt
hatte. Aber jetzt gab es wichtigeres...
"Leute,
jetzt ist Schluss mit lustig" rief Larah, zurück in der Hotelsuite.
"Die Party ist leider vorbei. Schickt die Schneckis nach Hause, wir
dürfen keine Zeit mehr verlieren! Ich hab unbändige Lust, mir diesen Übner
und seine Herzchen nochmal vorzuknöpfen!! Was steht an? Kairo, Kreta oder
Bali???"
*Annette*
*bart bukowski*
|