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Legacy of Kain:
Soul Reaver
Autor: Chris
Bewertung: 2
Vertrieb: Eidos Interactive
Entwickler: Crystal Dynamics (USA)
Erscheinungsjahr: 1999
Plattformen: PC, PSX, Dreamcast
Systemanforderungen PC: Windows 95/98, Pentium II, 32 MB RAM, DirectX
6-kompatible Grafik- und Soundkarte, 320 MB Festplattenspeicher
Genre: Action-Adventure
USK-Freigabe: Ab 16
Für den Vampir-Boss Kain
läuft es prächtig: Nachdem er in "Legacy of Kain: Blood
Omen II" seine dämonischen Widersache aus Nosgoth vertrieben
hat, war es ihm ein Leichtes, den Widerstand der verbliebenen Serafan-Krieger
zu brechen.
Mit seinen Söhnen - allen
voran Raziel, dem Erstgeborenen - baute er danach sein Reich in Nosgoth
auf und unterwarf die wehrlosen Menschen sowie die anderen Vampir-Clans.
Durch Metamorphose entwickeln sich Vampire immer weiter. Dies geschieht
immer in einem Zustand der Starre und erfasste Kain stets als ersten.
Eines schönen Tages trat bei Raziel - ihm wuchsen Flügel - die
Verwandlung aber zu erst auf.
Daraufhin ließ Kain Raziel
von seinen Brüdern in einen alles verschlingenden Vortex werfen,
auf das er für alle Zeiten das Schicksal von Feiglingen und Schwächlingen
ertragen sollte. Ein feiner Plan, der aber nicht aufging. Zwar wurde Raziel
getötet und bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt, jedoch bewahrte
ihn eine übermächtige Gottheit vor der ihm zugedachten Strafe.
Diese Gottheit hat mit Kain
wohl noch ein Hühnchen zu rupfen, und Raziel soll - wenn schon nicht
seinem Retter zuliebe
wenigstens aus persönlicher Rache - das in die Hand nehmen. Raziel
willigt ein, und ab geht es zurück in die reale Welt. Dort angekommen,
stellt er fest, dass seit seinem "Ableben" (oder wie immer man
das nennen mag) mehrere
Jahrhunderte vergangen sind, und das Land im Chaos versinkt. Auf der Suche
nach seinen Brüdern und Kain streift Raziel fortan durch Nosgoth,
wobei er immer wieder über Geheimnisse der Vergangenheit stolpert...
Tja, die Story klingt schon
etwas konfus. Wer über die komplizierten Verhältnisse in Nosgoth
nicht so genau Bescheid weiß, kann das ganze auf die Formel "Jetzt-räche-ich-mich-aber-an-meinen-alten-Kumpels"
reduzieren und die Sache dabei bewenden lassen.
Gespielt wird aus der Verfolger-Perspektive
in bekannter Tomb Raider-Manier. Auch ansonsten wurde viel von MIss Croft
abgekupfert. Raziel läuft, springt und flattert (die Flügel
sind ja nimmer richtig zu gebrauchen) durch die Gegend, drückt Schalter,
schiebt Steine und verhaut mutierte Vampire. Allerdings unterscheidet
sich Soul Reaver in wichtigen Kriterien klar von Tomb-Raider.
Da Raziel bereits tot ist,
kann er mittels "Dimensionssprüngen" zwischen der wirklichen
und spektralen Welt wechseln. Die spektrale Welt ist eine Ebene, welche
auf den ersten Blick
genauso wie die "wirkliche" Welt aussieht. Bei näherem
Hinsehen erkennt man allerdings, das dem nicht so ist. Beispielsweise
können Mauern in der spektralen Ebene eine andere Höhe haben
oder in Wänden tauchen plötzlich Durchgänge auf. Sitzt
man in einer vermeintlichen Sackgasse fest, ergeben sich daher auf der
spektralen Ebene meist neue Möglichkeiten. Zum Wiedereintritt in
die reale Welt muss jedoch immer ein spezieller Wechselpunkt gesucht werden.
Es gibt mehrere Zwischengegner,
die aber in der Regel recht einfach zu besiegen sind. Hat Raziel einen
Ober-Vampir eliminiert, bekommt er jeweils eine neue Fähigkeit. Mit
diesen Fähigkeiten (zum Beispiel Schwimmer oder Klettern) können
dann zuvor nicht zugängliche Areale erkundet werden.
Die Rätsel sind einfach
bis ziemlich knackig gestaltet worden. Oftmals müssen mehrere Dimensionssprünge
durchgeführt werden, um eine Aufgabe lösen zu können. Allerdings
ähneln sich die Rätsel-Schematas doch sehr stark und dürften
für fortgeschrittene Zocker keine unlösbaren Probleme darstellen.
Feinde lassen sich mit einer
Taste anvisieren. Danach kann Raziel um die Gegner rotieren und ihnen
mit seinen Klauen oder auch Waffen das Licht auspusten. Hat man einen
Vampir erledigt - einige muss man regelrecht mit Waffen pfählen -
kann Raziel dessen Seele aufsaugen und den eigenen Energievorrat auffrischen.
Dies empfiehlt sich aber nicht bei allen Gegner, da diese nach erfolgtem
"Aufsaugen" wieder auftauchen könnten.
Sterben
kann man bei Soul Reaver eigentlich nicht. Wird Raziel so schwer verletzt,
dass sein Energievorrat aufgebraucht ist, wechselt er automatisch auf
die spektrale Ebene. Dort kann man warten, bis sich der Energievorrat
von selber wieder erholt und dann den nächsten Wechselpunkt zum Wiedereintritt
in die reale Welt aufsuchen, oder man verdrischt ein paar von den herumlungernden
Geistern und saugt deren Seelen auf um den zuvor genannten Vorgang zu
beschleunigen.
Speichern ist überall
möglich, allerdings beginnt das Spiel beim Laden eines Spielstandes
immer in der Höhle der alten Gottheit. Dieser Haken wird dadurch
gemildert, dass die Entwickler eine Reihe von "Warptoren" im
Spiel implementiert haben, mit deren Hilfe man in Windeseile weit entfernte
Stellen von Nosgoth erreichen kann.
Dieser Umstand wirft die Frage
nach den Ladezeiten auf. Antwort: Es gibt keine. Dank "Data-Streaming"-Technologie
entsteht nur zu Spielbeginn eine kurze Ladezeit, die weiteren Ladevorgänge
bleiben für den Spieler unbemerkt, was dem Spielfluss sehr entgegen
kommt.
"Soul Reaver" dürfte
den Spieler - je nach Erfahrung - für ca. 10 bis 20 Stunden beschäftigen.
Das lässt sich nicht anders beschreiben, da das Spiel nicht über
abgeschlossene Levels verfügt. Vielmehr wurden - mit Blick auf zusätzliche
Fähigkeiten - etliche nichtlineare Optionen eingebaut. Dem Spieler
ist freigestellt, ob er sich diese Fähigkeiten aneignet, oder einfach
versucht, so durchzukommen. Bemerkt man am Ende, dass das eine oder andere
Gimmick für den Endkampf nicht übel wäre, kann man sich
immer noch auf die Suche machen.
Grafisch ist das Spiel am ehesten
mit Tomb Raider III vergleichbar, wobei die PC-Variante natürlich
eine höhere
Auflösung wie das entsprechende PSX-Pendant aufweist. Die Animation
der Hauptfigur ist recht ordentlich, einzigst die Kameraführung ist
an einigen Stellen etwas unglücklich, so dass man leicht die Orientierung
verlieren kann. Zum Umschauen können zwei Alternativen benutzt werden.
Zum einen gibt es da den "Matrix"-Stil, wobei die Kamera um
den Protagonisten kreist, zum anderen eine Art Ego-Perspektive, die sehr
stark an Tomb Raider erinnert.
Der Soundtrack wummert mit
bedrohlichen Themen vor sich hin. Je nach Raum wechseln sich diese Musik-Stücke
fliessend ab. Die Auswahl der Synchron-Sprecher geht in Ordnung, allerdings
sorgt die Stimme von Raziel für Stirnrunzeln. Der arme Kerl klingt
irgendwie so, als ob man einen 13-jährigen mit üblen Zahnschmerzen
vom Behandlungsstuhl vor das Aufnahmemikrofon gezerrt hätte.
Jedenfalls wird die Story
durch eine Vielzahl von Monologen und Dialogen weiter erzählt. Diese
Sequenzen sind alle - bis auf das Intro - mit der Grafik-Engine gestaltet
worden.
Wer auf der Suche nach Spielen
im Tomb Raider-Stil ist, wird mit Soul Reaver gut bedient, zumal das Game
über einige Gimmicks verfügt, die bei Tomb Raider nicht vorkommen.
Der größte Wermuts-Tropfen ist die eingeschränkte Speicherfähigkeit,
welche das Spiel nur unnötig in die Länge zieht. Soul Reaver
gibt es aber inzwischen - je nach Plattform - für ca. 15 Euro; da
kann man über dieses Manko schon hinwegsehen.
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