|
Legacy
of Kain: Soul Reaver II
Autor: Chris
Bewertung: 3
Vertrieb: Eidos Interactive
Entwickler: Crystal Dynamics (USA)
Erscheinungsjahr: 2001
Plattformen: PC, PS2
Systemanforderungen PC:Pentium III 450 Mhz, Windows 95/98/ME, 128 MB
RAM, DirextX 8.0-kompatible Sound- und Grafikkarte (Minimum 16 MB RAM)
850
MB Festplattenspeicher
Genre: Action-Adventure
USK-Freigabe: Ab 16
Raziel
ist bedauernswert: Beseelt von dem Wunsch, seinem ehemaligen Dienstherrn
Kain ein paar auf die Nase zu hauen, jagte er diesen durch ganz Nosgoth,
nur um am Ende mitansehen zu müssen, dass Kain ihm im letzten Moment
durch eine Art Zeittor entwischte.
Da er ja eh' nix mehr zu verlieren
hatte, entschloss sich Raziel, Kain durch das Zeitportal zu folgen. Auf
der anderen Seite des Portals trat aus dem Halbdunkel jedoch eine andere
Gestalt auf Raziel zu. Es handelte sich dabei um Möbius, seines Zeichens
Zeitstromlenker und einer der Anführer des Serafan-Ordens, welcher
fröhlich Jagd auf alle Blutsauger dieser Welt macht. Raziels Zusammentreffen
mit Möbius soll - wie er später erfahren wird - nicht zufällig
gewesen sein...
Hier endet Soul Reaver, und
hier beginnt Soul Reaver II. Nach einem - mehr oder weniger aufschlussreichen
- Dialog mit Möbius entschliesst sich Raziel, Nosgoth nochmals nach
Kain abzusuchen. Angestachelt von Möbius bereist er dazu mehrere
Epochen in der Zeitgeschichte von Nosgoth, wobei er immer mehr über
seine eigene Vergangenheit zu Tage fördert.
Spielerisch hat sich nicht
viel geändert. Raziel hetzt wieder durch das Land und löst das
eine oder andere Rätsel mit Hilfe von Dimensionssprüngen oder
anderen Tricks. Alle in SR erworbenen Fähigkeiten stehen ihm dabei
in vollem Umfang zur Verfügung. Zusätzlich kann Raziel jetzt
auch noch die "spirituelle Klinge" des Soul Reavers öfter
einsetzen, jedoch muss er sich vor übermäßigen Gebrauch
hüten, da er sonst selber Opfer der Klinge wird. Waffen lassen sich
wie gehabt benutzen, allerdings müssen die Gegner nicht mehr aufgespiesst
werden, und der Kampfmodus wurde um ein paar neue Tritte nebst besserer
Anvisierung erweitert.
Zwischengegner gibt es in Soul
Reaver II keine. Durch das Lösen von Rätselaufgaben kann Raziel
aber die Fähigkeiten des Soul Reavers ausbauen. Mit den erworbenen
Fähigkeiten lassen sich dann zuvor verschlossene Gebiete betreten.
Allerdings betritt man dann nicht unbedingt Neuland; vielmehr handelt
es sich oft um Areale, welche Raziel nur wegen der Zeitumstände nicht
ohne Weiteres betreten kann. Im Klartext heißt das: Lauf irgendwo
hin, löse ein Rätsel, kehre um und mach da weiter, wo Du nicht
weitergekommen bist. Durch diese Methodik kann es vorkommen, das man immer
wieder bereits erkundete Areale nochmals durchläuft.
Das
wäre eigentlich nicht so schlimm, aber die Speicheroption ist - ähnlich
wie beim Vorgänger - stark eingeschränkt. Der Spielstand lässt
sich (auf PS2 wie PC) nur an definierten Stellen sichern, und neu geladene
Spiele beginnen dann eben von diesem Punkt aus. Dieser Umstand führt
oft dazu, dass man sich einige Film-Sequenzen öfters anschauen muss,
es sei denn, man macht sich unmittelbar nach diesen Sequenzen wieder auf
zum nächsten Speicherpunkt und sichert das Spiel.
Das ist wahrlich keine Meisterleistung
und kann auch nicht auf die Architektur der Playstation-CPU abgewälzt
werden; es gibt genug Titel, bei denen man speichern kann, wo dem Spieler
danach ist.
Technisch - egal ob PC oder PS2 - ist Soul Reaver II aber nichts vorzuwerfen.
Die Grafik ist verdammt gut geworden. Raziel wurde detaillierter gestaltet,
auf die Background-Texturen trifft das auch zu, und das Spiel trumpft
mit Licht-Effekt-Orgien auf, wie man sie für ein modernes Spiel erwarten
kann. Preisverdächtig sind vor allem die Zwischen-Sequenzen, in denen
Raziel neue Eigenschaften bekommt. Da blitzt, raucht und vibriert es an
allen Enden, als ob es sich um eine Produktion aus Hollywood handeln würde.
Die - leider reichlichen -
Feinde sind sehr eindrucksvoll in Szene gesetzt. Einige der Dämonen
könnten widerum aus einen Fantasy-Film stammen. Zum Glück sind
die meisten von ihnen - trotz gefährlicher Optik - relativ leicht
zu besiegen. Anders verhält es sich dagegen mit den menschlichen
Serafan-Kriegern, welche ziemlich am Schluss erscheinen. Da haut man besser
ab, weil diese Burschen (und Mädls!) ziemlich zur Sache gehen.
Hinzu kommt eine vollkommen
stimmige Musik-Begleitung, und der Sound FX zu diversen Manövern
ist auch nicht ohne. Die Synchron-Sprecher waren schon in Soul Reaver
in Ordnung. Für Raziel hat man sich aber jetzt doch für eine
passendere Stimme entschieden.
Geredet wird in Soul Reaver
II übrigens viel, vielleicht sogar zu viel. Es ist ja absolut lobenswert,
dass man sich da
soviel Arbeit gemacht hat, aber recht viel Wissenwertes wird dann doch
nicht gebracht. In der Regel sagen die Charaktere nur so Sachen wie "Gehe
zu Kain und mach ein Ende damit!" (Möbius) oder "Kain verdient
den Tod!" (wieder Möbius) oder "Töte Kain!" (Ariel)
etc...das nervt, und irgendwie kann man dann auch Raziel verstehen, dass
er langsam die Lust verliert, seinen Erzfeind auszuschalten.
Allerdings sind die drei Hauptfiguren
nicht auf den Mund gefallen. Vor allem Möbius glänzt mit bissig-ironischen
Kommentaren, etwa "Tu was Du tun musst....ALLE großen Bewegungen
brauchen ein paar Märtyrer." oder "Du musst mich ja nicht
lieben, um mein Verbündeter zu sein!".
Soul Reaver II ist im Grunde
nur ein Abklatsch des Vorgängers. Seine Stärken bezieht das
Spiel aus der verbesserten Steuerung und der bombastischen Grafik. Spielerisch
bietet es aber wenig Neues und kann dem ersten Teil eigentlich nur in
Punkto Atmosphäre den Rang ablaufen.
|