DIE JUNGE LARA CROFT – BIOGRAPHIE
Sommer
1984. Lara wuchs als Tochter von Lord Henshingley Croft in der Geborgenheit
und Sicherheit einer adligen Familie auf. Ihr sorgenfreies Leben war
geprägt von Dienern, gesellschaftlichen Anlässen und der High-Society.
Nachdem Sie ab ihrem elften
Lebensjahr die Wimbledon High School für Mädchen besucht hatte, beschlossen
Laras Eltern, dass die inzwischen 16jährige ihren Bildungshorizont erweitern
und ihren Abschluss an einer der besten Schulen Englands absolvieren
sollte. Trotz ihrer ausgezeichneten Noten wiesen mehrere Lehrer in ihren
Bewertungen darauf hin, dass sich ein geordnetes Leben durchaus positiv
auf Laras außerordentlich impulsives Wesen auswirken könnte …
Da
in Lara bereits damals das Herz eines Abenteurers schlug, fand sie die
Idee, ihr Zuhause für eine Weile zu verlassen, überaus aufregend. Allerdings
standen nun die Sommerferien kurz bevor und die Schule war für Lara
Lichtjahre entfernt. Sie verbrachte glückliche Tage mit Reiten, Schwimmen
und dem Bau von Baumhäusern. Es gab keinen Winkel auf dem väterlichen
Anwesen (und auch außerhalb des Besitzes), den sie nicht erforschte.
Lara war eine echte Einzelgängerin, die häufig im Morgengrauen aufbrach
und erst bei Einbruch der Dunkelheit zum Abendessen nach Hause zurückkehrte
– sehr zum Ärger ihrer Mutter, die häufig Stunden am Telefon verbrachte,
um den momentanen Aufenthaltsort ihrer verschollenen Tochter herauszufinden.
Als Lara wieder einmal von
einem ihrer Ausflüge zurückkehrte, belauschte sie ein Gespräch ihrer
Eltern. Beide waren besorgt, da das Leben ihrer Tochter alles andere
als geordnet war. Daher berieten Mutter und Vater über die Vorteile,
die eine Reise nach Europa mit sich bringen würde. Lara sollte mit ihrer
Tante, einer Lehrerin, nach Europa reisen, um dort etwas über die europäische
Geschichte zu lernen. Die Reise würde zum einen ihren Horizont erweitern,
zum anderen könnte Lara in jedem Fall die bedeutendsten historischen
Stätten Europas mit eigenen Augen sehen.
Zugegeben,
die Aussicht auf eine derartige Reise reizte Lara. Die Vorstellung,
mit ihrer steifen Tante zu reisen, verursachte ihr allerdings Magenschmerzen.
Allein der Gedanke an diese alte Anstandsdame, die sie 24 Stunden täglich
erziehen und disziplinieren sollte, war schrecklich.
Als Lara an der Tür vorbeischlenderte,
fand sie auf dem Tisch in der Eingangshalle eine Ausgabe der National
Geographic. Auf der Titelseite entdeckte sie einen vertrauten Namen
– Professor Werner von Croy. Der anerkannte Archäologe hatte in Laras
Schule vor einiger Zeit einen Vortrag für Eltern und Schüler gehalten.
Dieser Vortrag hatte in Lara den Wunsch geweckt, zu fernen Orten zu
reisen, um dort spannende Abenteuer zu erleben. In gewisser Weise war
von Croy also zu einem Vorbild für Lara geworden. Seine Erinnerungen,
die er geschildert hatten, drängten sich nun wieder in Laras Gedächtnis,
als hätte sie alles selbst erlebt. Ihr Wunsch, selbst spannende Abenteuer
zu erleben und vielversprechende Entdeckungen zu machen, war nun stärker
denn je.
Möglicherweise hat Lara ihre
Rastlosigkeit und ihren Wunsch nach Abenteuern von ihrem Vater geerbt.
Dieser hatte in seiner Jugend selbst verschiedene archäologische Fundstätten
in Jordanien, Ägypten und Südamerika besichtigt und den Besuch des Vortrages
des Archäologen selbst vorgeschlagen. Obwohl er in letzter Zeit kaum
Zeit zum Lesen fand, abonnierte er immer noch archäologische Zeitschriften.
Und wenn er einmal Zeit mit Lara verbrachte (was selten genug der Fall
war), hing sie wie gebannt an seinen Lippen, sobald er von seinen Erlebnissen
erzählte.
Lara las weiter und erfuhr,
dass sich von Croy im Moment auf eine archäologische Expedition durch
Asien vorbereitete, die er mit einer bedeutenden neuen Entdeckung in
Kambodscha krönen wollte. Da ihm nur begrenzte Mittel zur Verfügung
standen, würde von Croy alleine reisen und möglicherweise lediglich
vor Ort einige billige Träger mieten. In den blauen Augen von Croys,
die Lara aus dem Magazin anstrahlten, glaubte diese das Versprechen
für Abenteuer und Entdeckungen zu sehen (zumal sich die junge Dame bereits
genau ausgemalt hatte, was sie in Asien alles unternehmen würde).
Nun konnte sich Lara nicht
mehr beherrschen. Sie stürmte in den Raum, in dem ihre Eltern saßen,
holte den Artikel hervor und forderte selbstbewusst, dass sie von Croy
auf seiner Expedition begleiten wolle, anstatt mit ihrer langweiligen
Tante zu den ohnehin schon bekannten und genau dokumentierten Ruinen
Europas zu reisen. Lachen erfüllte den Raum, da Laras Eltern den Vorschlag
ihrer Tochter nicht ernst nahmen. Als sie ihre Idee jedoch verteidigte,
klang das Vorhaben durchaus sinnvoll, da diese Erfahrung Lara optimal
auf ein späteres Geschichtsstudium vorbereiten könnte. Vielleicht würde
sie später sogar – wie ihre Tante – eine Laufbahn als Lehrerin einschlagen.
Aufgrund seiner eigenen Erfahrungen konnte Lord Croft ohnehin nur schwer
abstreiten, daß die Reise an sich bereits Erziehung genug war.
Laras Vater, der wusste, welches
Ansehen von Croy genoss und außerdem dessen Ruf für sorgsam vorbereitete
Expeditionen kannte, suchte verzweifelt nach Gegenargumenten für die
intelligenten Schlussfolgerungen seiner Tochter und deren listige Argumente.
Sie war immerhin schon beinahe erwachsen – oder wenigstens ein sehr
reifer Teenager. Der Gedanke daran, wie furchtlos Lara in Bäumen herumkletterte,
ihre Wendigkeit und ihre Ausgelassenheit ließen keinen Zweifel offen,
dass seine Tochter körperlich gut auf eine derartige Expedition vorbereitet
sein würde.
Als Lara weiter versuchte,
ihren Vater zu überzeugen, stand dieser auf, ging zum Tisch und verfasste
einen Brief an von Croy. Darin stellte er sich als einflussreiche Persönlichkeit
aus dem Gesellschaftsleben vor und bot dem Forscher finanzielle Unterstützung
für seine Expedition. Als Gegenleistung sollte dieser seine Tochter
mit auf die Reise nehmen.
In
seinem Antwortschreiben versicherte von Croy Laras Eltern, dass ihn
seine Expedition in ein friedliches Gebiet führen würde und dass er
aufgrund seiner großen Erfahrung durchaus in der Lage sei, sich selbst
und Lara zu beschützen. Er freute sich über die Gesellschaft Laras als
seine Assistentin – und natürlich auch über den wahrlich großzügigen
Scheck. Von Croy erinnerte sich sogar an Lara – ihre unablässigen, aber
anregenden Fragen bei seinem Vortrag hatten ihn zutiefst beeindruckt.
Auch Laras Mutter war – wenn
auch heimlich – sehr darüber erfreut, dass nun (wenn auch nur vorübergehend)
ein anderer Mensch für das Wohlergehen ihrer Tochter verantwortlich
war. Sie selbst hatte nun endlich Zeit, sich ungestört ihren Wohltätigkeitsveranstaltungen
zu widmen.
Man beschloss also, dass Lara
von Croy auf seine Expedition begleiten sollte.