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TimeSplitters 2

Autor: Chris
Bewertung: 6

Vertrieb: Eidos
Entwickler: Free Radical
Erscheinungsjahr: 2002
Plattformen: PS2, Gamecube, X-Box

Genre: Ego-Shooter
USK-Freigabe: Ab 16

 

 

Furios geht's los: Auf einer Raumbasis jagen ein bis an die Zähne bewaffneter Soldat und seine Mitstreiterin ein paar furchtbare Aliens durch die Gänge. Irgendwie haben diese Viecher einen wichtigen Kristall in die Finger bekommen. In die Enge getrieben, fliehen die Aliens durch ein rundes Dimensions-Tor. Aus welchen Gründen auch immer, bleibt dem Soldaten nichts anderes übrig, als ebenfalls durch dieses Dimensions-Tor zu springen. Auf der anderen Seite angekommen, verwandelt sich der wackere Kämpfer plötzlich in eine Frau. Das soll wohl seine Tarnung sein. Warum das so ist, bleibt im Dunkeln. Jedenfalls haben die Aliens wohl mehrere Kristalle in ihren Besitz gebracht und diese nun an verschiedenen Standpunkten in der Vergangenheit und in der Zukunft versteckt. Es gilt, alle Kristalle zu finden. Zu diesem Zweck müssen daher verschiedenen Epochen in der Zeitgeschichte der Menschheit besucht werden...

Kennt man bei einem Spiel wie "TimeSplitters 2" den Vorgänger nicht, kann man natürlich wenig zur bisherigen Story sagen. Abhilfe bringt da meist das beigelegte Booklet. Das sollte man zumindest meinen, trifft in diesem Fall aber absolut nicht zu und daher bleibt`s auch bei der wirren Festellung von oben, die sich der Autor in Ermangelung anderer Quellen aus den Fingern saugen musste...und überhaupt, wo kommen wir denn da hin, wenn schon dem Spiel keine vernünftige Rahmenhandlung beiliegt?

Das Spiel-Prinzip ist schnell erklärt: Ballere dir den Weg zum einen oder anderen Punkt frei und erledige - durch Schalter betätigen und ähnliches - diese oder jene Aufgabe. Ist der jeweilige Zeitkristall gefunden, geht`s im Dimensions-Tor zurück ins Hauptmenü, wobei - unsinnigerweise - ein "Game Over" auf dem Screen erscheint. Danach ist der nächsthöhere Level freigeschalten, und die Hatz beginnt von vorne.

Bei den Kampagnen, die sich mehr an die Gegenwart oder die Zukunft anlehnen, gibt's hier und da auch mal eine Überwachungskamera. Deren Blickwinkel (es gibt statische und dynamische Kameras) lassen sich durch Benutzung eines kleinens Laptops analysieren. Wird man von den Kameras entdeckt, werden die Gegner aufgescheucht. Um das zu verhindern, können die Kameras entweder einfach abgeschossen oder - sollte die erstgenannte Option nicht möglich sein - über Schalter deaktivert werden.

Mit dem genannten Laptop (oder was immer das auch sein soll) ist es auch möglich, die Bewegungen der Gegner und den Standort des gesuchten Kristalls oder des Dimensions-Tors (Level-Ausgang) zu beurteilen. Höher bzw. tiefer gelegene Ebenen werden dabei durch einen verwirrenden Rolleffekt dargestellt.

Die einzelnen Missionen des Story-Modus sind kurz, gepflegt, und langweilig, da die Vorgehensweise immer gleich ist und sich nur durch die verschiedenen Locations unterscheiden. Da kommt auch absolut keine Atmosphäre auf, da es praktisch keine plausiblen Zwischen-Sequenzen gibt, die dem Spieler irgendwas Wichtiges mitteilen. Wenn schon was gesprochen wird, dann nur sehr wenig, und das gibt aucht nicht viel her. Hinzu kommt nerviges Musik-Geduddel, das wohl dem jeweiligen Ambiente Rechnung tragen soll. Besonders negativ tun sich da die Missionen im amerikanischen Gangster-Chicago und im wilden Westen hervor. Die dazu erklingende Musik passt vielleicht zu Kino-Filmen, die in dieser Zeit angesiedelt sind, aber nicht zu einem Shooter-Spiel. Könnte man die Musik abstellen, wäre das ja nicht so schlimm, aber diese Option gibt es nicht. Dadurch soll wohl gewährleistet werden, dass möglichst viele Spieler vorzeitig in der Klapsmühle landen!

Die zehn Missionen - welche im Split-Screen auch zu zweit gespielt werden können - sind im Schwierigkeitsgrad "normal" jeweils in 15 bis 20 Minuten durchgespielt. Etwas arg kurz, aber die Jungs von "Free Radical" sind echt nicht auf den Kopf gefallen und haben daher keine Absicher-Funktion während einer Kampagne vorgesehen. Es gibt einige wenige Kontroll-Punkte, von denen man das Spiel bei vorzeitigem Ableben wieder aufnehmen kann, aber selbst an diesen Stellen ist ein Absichern nicht möglich. Erst wenn ein Level erledigt ist, wird automatisch ein Savegame angelegt. So zieht man ein Spiel in die Länge! Bravo! Willkommen im 21. Jahrhundert!

Nun könnte man ja meinen, dass sich die Schwierigkeitsgrade des Spiels durch die "Zähigkeit" der Gegner unterscheiden. Weit gefehlt! Kommt man gegen die Monster- und Soldatenhorden im Modus "normal" nicht an, werden bei "leicht" einfach ein paar Abschnitte der Levels blockiert, wodurch alles noch kürzer wird!

 

Neben dem Story-Modus gibt es noch die Optionen "Arcade" und "Herausforderung". Beides erinnert an die "Deathmatch"-Modi aus "Unreal Tournament" oder ähnlichen Spielen. Es besteht die Möglichkeit, an einer PS2 mit bis zu vier Spielern anzutreten. Dabei wird der Bildschirm einfach viergeteilt, und jeder Spieler hat ein eigenes Mini-Fenster zum Ballern, wobei man aber schnell den Überblick verlieren kann.
Wer noch mehr Freunden Gewalt antun will, kann über ein i.Link-Kabel Konsolen zusammenstöpseln, allerdings funktioniert eine Kombination PS2/X-Box anscheinend nicht. In der Dokumentation des Spiels wird das jedenfalls nicht erwähnt.

 

Wem das alles noch nicht reicht, kann sich mit einem Karten-Editor selber Mods basteln. Über die Qualität dieses Editor kann ich aber nichts sagen, da ich ihn mir - man möge das verzeihen - nicht angesehen habe. Jedenfalls ist der Gebrauch dieses Tools recht ausführlich beschrieben. Ob der Editor die Qualität ähnlicher PC-Tools hat, darf jedoch bezweifelt werden.

Grafisch muss man "TimeSplitters 2" allerdings Oberklasse bescheinigen. Die Umgebungen und die Feinde sind gut dargestellt worden. Die KI und Animation der Feinde ist auch überzeugend. Ballert man den Gegnern auf die Füße, hüpfen sie durch die Gegend, als wären sie in einen Nagel oder eine Mausefalle getreten, das war's dann aber auch schon in Sachen Witz.

Die Steuerung ist absolut gewöhnungsbedürftig. Jeder, der mal einen Shooter auf dem PC und der PS2 gespielt hat, weiß, wovon die Rede ist. Unverzeihlich ist daher das Fehlen einer alternativen Steuerung, welche es dem glücklichen PS2-Mausbesitzer ermöglichen würde, eine Kombination aus Joypad- und Maus-Steuerung zu wählen. Bei einem stolzen Preis von 50 Euro ist das wohl nicht zuviel verlangt!

Was bleibt? Nicht viel. Versprochen wurde ein Shooter mit viel Story und anspruchsvollen Missionen. Daraus geworden ist ein stimmungsloses Rumgeballere, das sich schwer steuern lässt, verdammt kurz geraten ist und mit seiner eingeschränkten Speicher-Fähigkeit diesen letzten Mangel nur kaschieren will. Vielleicht ist der Mehrspieler-Modus ja ganz spassig (soweit es beurteilt werden kann, fällt die Frame-Rate im Split-Screen mit zwei Spielern aber schon bedenklich ab), aber das hilft dem Single-Player nichts.
Wer sich aufgrund der irrsinnig hohen Bewertungen in den "Fachzeitschriften" ("...bester Ego-Shooter aller Zeiten...") das Spiel zulegen will, sollte den Titel unbedingt erst Probespielen oder sich die Demo-Version besorgen...das spart Zeit, Geld und Nerven!