| Tomb Raider II - Starring Lara Croft
Im
alten China herrschte einst ein gar schrecklicher Kaiser. Es wäre
natürlich eine feine Sache gewesen, wenn ein paar mutige Krieger
diesen grässlichen Burschen besucht und zugleich ordentlich vermöbelt
hätten. Und so war es dann auch: Eine Armee verwegener Tibet-Mönche
widersetzte sich dem Diktat des Tyrannen und legte sich mit seinen Truppen
an.
Schwierigkeiten bereitete der Umstand, dass der Despot sich mit Hilfe
eines Zauberdolches in einen Feuer speienden Drachen verwandeln
konnte. Letztendlich wurde der Heldenmut der tapferen Mönche doch
belohnt: In einer dramatischen Schlacht gelang es ihnen, den "Dolch
von Xian" in ihren Besitz zu bringen.
Damit war das Schicksal des Kaisers besiegelt und seine Herrschaft beendet.
Der Dolch wurde von den Mönchen an einem geheimen Ort versteckt,
damit er von keinem Schurken mehr missbraucht werden konnte.
Viele Jahrhunderte später sucht Lara Croft entlang der chinesischen
Mauer nach diesem sagenhaften
Artefakt. Dabei muss sie schnell feststellen, dass auch noch eine andere
Gruppierung Interesse an diesem Dolch hat
Soweit die Rahmenhandlung zum zweiten Abenteuer von Lara Croft. Das Gameplay
hat sich im Vergleich zum Vorgängerspiel nicht entscheidend verändert.
Lara hat allerdings ein paar neue Bewegungen gelernt.
So
gibt es ab TR 2 die Möglichkeit, mittels einer "Rollen"-Taste
die Figur während diverser Manöver zu drehen. Dadurch lassen
sich vor allem an Land heiße Gefechte besser kontrollieren. Außerdem
kann Lara jetzt auch über Leitern auf höher gelegenes Terrain
klettern und dunkle Räume mit Magnesiumfackeln kurzzeitig ausleuchten.
Die Bewegungen können - wie schon bei TR I - auf Laras Anwesen
in einem speziellen Trainings-Level geübt werden. Hier hat man nun
auch die Möglichkeit, nicht nur das Innere ihres Domizils zu erkunden,
man kann sich auch die Außenanlagen anschauen.
Völlig
neu ist die Möglichkeit der Fahrzeugbenutzung. Im Verlauf des Spiels
kann die Heldin mit Booten oder Motorschlitten große Außen-Areale
in kürzester Zeit durchqueren. Diese Optionen sind beileibe nicht
nur optische Kosmetik: Einige Stellen sind ohne Fahrzeugeinsatz nicht
zu meistern.
Das Waffenarsenal wurde um eine Harpune, einen durchschlagkräftigen
Granatenwerfer und ein Maschinengewehr "M16" erweitert. Die
bereits bekannten Ballermänner aus TR I können
auch wieder dem Inventar zugefügt werden, allerdings tauchen die
"Magnums" nicht mehr auf. Diese wurden durch die wirkungstechnisch
identischen Automatik-Pistolen ersetzt.
Secrets sind in Form von kleinen Drachenskulpturen zu finden: Sammelt
man in den einzelnen Abschnitten alle (i. d. R. drei Stück) ein,
bekommt Lara am Level-Ende extra Munition oder Waffen im Inventar gutgeschrieben.
TR I spielt sich bekanntlich zu großen Teilen in Höhlen und
antiken Gebäuden ab. Wesentlich abwechslungsreicher wurden die
Schauplätze bei TR II gestaltet. Lara turnt nun durch das malerische
Venedig, kämpft sich über eine Bohrinsel und taucht hinab zu
einem finsteren Schiffswrack. Danach geht's quer über das tibetische
Hochland auf ein trutziges Kloster von befreundeten buddhistischen Mönchen.
Vor dem finalen Schlagabtausch mit einem italienischen Oberganoven muss
noch ein albtraumhafter Level mit der harmlosen Bezeichnung "Die
schwimmenden Inseln" absolviert werden.
Die Levels sind teilweise recht umfangreich und verwinkelt ausgefallen.
Eine Vielzahl von Schlüsseln und Gegenständen wird im Spielverlauf
benötigt. Es ist daher ausgesprochen ratsam, sich in jedem Abschnitt
alle Ecken genau anzusehen.
Der
Tod hat in TR II viele Gesichter: Einige Passagen beinhalten haarsträubende
Hüpf-Sequenzen über Feuer, scharfe Messer und dergleichen. Sprungbretter
der besonderen Art katapultieren die Heldin in ungeahnte Höhen. Schätzt
man die "Wirkung" dieser Teufelsdinger falsch ein, knallt Lara
mit dem Kopf schon mal an die Decke, und das letzte Savegame muss geladen
werden.
Überhaupt empfiehlt sich häufiges Zwischenspeichern, da es in
TR II nur so von fiesen Tieren und noch böseren Jungs wimmelt. Nach
Laras Abreise aus Venedig dürfte die dortige Bevölkerung um
ca. 20 Prozent geschrumpft sein.
Als gar nicht nett entpuppen sich auch die "Eismenschen" aus
dem Tibet-Sequel: Diese Yeti-Typen stampfen recht grimmig durch die Gegend
und benehmen sich so, als hätten sie im TV zuviel Wrestling angeschaut.
Insgesamt ist das Lösen von Rätseln in den Hintergrund geraten.
Kernige Ballereien, heikle Sprungpassagen und das Erkunden von großen
Arealen nehmen einen immensen Anteil am Spielgeschehen ein.
Grafisch macht das Spiel einen Schritt nach vorne. Die hübsche Miss
Croft bekam ein paar Polygone mehr verpasst, dadurch wirken Figur und
Bewegungen geschmeidiger. Vorbei sind auch die Zeiten, in denen Lara im
Einheitsdress durch TR I flitzte. Während sich unsere Heldin durch
ein Schiffswrack kämpft, ist sie im flotten Taucherdress zu bestaunen.
In Tibet trägt Lara eine schicke Winterjacke. Es wurde jedoch versäumt,
das arme Mädel in solch einer bitterkalten Landschaft mit langen
Hosen auszustaffieren!
Die
Backgroundtexturen sind zwar immer noch recht würfelähnlich
ausgefallen, jedoch sind hier starke Verbesserungen mit Blick auf Detaillierungsgrad
und Tempo zu beobachten. Im Gegensatz zum Vorgänger wurden bei TR
II einige Musikstücke eingearbeitet. Recht nett ist in dieser Hinsicht
das Thema der Bootsfahrt in Venedig geworden; klingt irgendwie nach Rondo
Veneziano.
Fazit: Abwechslungsreiche Szenarien und viel Action machen TR II vor
allem für fortgeschrittene Zocker zum Vergnügen.
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