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Tomb Raider VIII - Anniversary

Autor: Romi


10 Jahre Tomb Raider! Zu diesem Anlass hatte sich Eidos etwas Besonderes ausgedacht und die treuen Fans mit einer Jubiläumsausgabe belohnt: Tomb Raider Anniversary. Zusätzlich zur Spiele-CD erhält der Spieler eine Bonusdisc, die unter anderem eine Rückblende der Tomb-Raider-Saga enthält.

Anniversary ist der zweite TR-Teil, der unter den Fittichen von Crystal Dynamics entwickelt wurde. Es handelt sich hierbei um ein Remake des Verkaufsschlagers Tomb Raider - Featuring Lara Croft, der einst im November 1996 erschien. Laras 10-jähriges wurde jedoch mit leichter Verspätung gefeiert – bis zum 1. Juni 2007 mussten sich die Fans noch gedulden, bis sie das Spiel in Händen halten durften. Entwickelt wurde es für die Plattformen PC, PS2, PSP, XBox 360 und Wii.

Das Remake lehnt sich an die Story des ersten Teils an. Es ist jedoch weit mehr als nur eine aufgepeppte Version des alten Gameplays, da sowohl Handlung als auch Charaktere erweitert und verfeinert wurden. Die klassischen Schauplätze des Originals (Peru, Griechenland, Ägypten und Verlorene Insel / Atlantis) wurden wieder übernommen. Die grundsätzliche Levelstrukturierung blieb zwar erhalten, wurde an vielen Stellen jedoch um neue Details, wie Wege, Abgründe und andere Extras, ergänzt. Teilweise wurden die Areale jedoch auch einer „Vereinfachung“ unterzogen. So sind zum Beispiel viele der langen Laufwege des Ur-Tomb-Raiders im neuen Game nicht mehr integriert.

Durch die innovative Legend-Engine, die für Anniversary noch einmal überarbeitet wurde, kann sich der Spieler abermals an einer außerordentlich schönen Grafik und sehr geschmeidigen Animationen erfreuen. Vor allem an den ersten drei Schauplätzen des Spieles wurde optisch alles herausgeholt, was diese Spieleengine zu bieten hat. Wie in Legend wurde wieder großer Wert auf eine nuancenreiche, realistische Darstellung der Umwelt gelegt.

Die Hauptdarstellerin erinnert äußerlich stark an die Legend-Lara. Ihre Gesichtszüge wirken womöglich noch etwas harmonischer und weisen mit der kantigen Original-Lara von einst kaum noch Ähnlichkeit auf. Ihr Outfit (zu Beginn des Spiels) ist jedoch dasselbe, mit dem sie in TR1 berühmt wurde: grünes Top und braune Hotpants.

Laras Bewegungssystem konnte bereits 1996 als bahnbrechend bezeichnet werden. In Anniversary wurden sämtliche Moves des Originals sowie einige weitere aufgenommen. Wichtigste Neuerung: Mit Hilfe eines Wurfhakens kann Lara nun Prince-of-Persia-like Wände entlanglaufen. Vor allem diese Aktion kristallisierte sich jedoch zum größten Kritikpunkt des Spiels heraus. Mauerläufe, die mit einem Sprung in eine bestimmte Richtung abgeschlossen werden sollen, empfinden viele Spieler als reines „Glücksspiel“. Die Steuerung erweist sich hier als extrem unpräzise, und Lara stürzt sich ein ums andere Mal zu Tode.

Ein weiterer neuer Move, das Balancieren auf Pfeilern, ist dagegen ein nettes, unkompliziertes Feature, das durch die Option des „Balance wiederherstellen“ relativ einfach gemeistert werden kann.

Der „Adrenalinmove“ schließlich, bei dem Lara in Zeitlupe einen Kopfschuss platzieren kann, ist zwar äußerst effektiv, erfordert allerdings etwas Übung. Beherrscht man diese Aktion, macht sie jedoch sehr viel Spaß, vor allem im Kampf gegen die Endgegner.

Laras Ausrüstung wird nun wie in früheren Spielen in einer Ringsteuerung angezeigt. Neben ihren Pistolen kann sie sich im Laufe des Spiels wieder eine Schrotflinte sowie weitere Waffen aneignen. Kaliber.50-Pistolen ersetzen nun die Magnums; Doppel-Maschinenpistolen die Uzis.

Der Abschnitt in und außerhalb von Croft Manor wurde in Anniversary so originell wie noch nie gestaltet. Lara findet das Anwesen zu Beginn in leicht chaotischer Verfassung vor. So wurde die Wasseranlage abgestellt und der Pool trockengelegt. Eine Neuerung stellt der Ausstellungsraum mit seinen Baugerüsten, Laufstegen und antiken Statuen dar. Auch das imposante Gartenlabyrinth mit der zentralen Brunnenanlage zählt zu den Innovationen des neuen Spiels. Werden im Croft-Manor-Abschnitt einige mehr oder weniger schwierige Rätsel gelöst, können acht Artefakte ergattert werden.

Wie im Original sind in Anniversary nur eine geringe Zahl an menschlichen Gegnern zu bekämpfen. Das Gegnerverhalten von Mensch und Tier scheint ebenfalls auf dem Stand von 1996 stehengeblieben zu sein. Die Bossfights sind im neuen Spiel jedoch um einiges härter, vor allem jene gegen den T-Rex, Tihocans „Leibgarde“ oder das „Alien“.

In Verbindung mit der unheimlichen Atmosphäre und dem Gefühl der Isoliertheit, die den ersten TR-Teil prägten, wirkten manche der früheren Gegner um einiges beängstigender als ihre Pendants in Anniversary. Man erinnere sich hierbei nur an die hysterischen Panthermumien, die urplötzlich um eine Ecke schossen und sich auf Lara stürzten...

Die Rätsel des Remakes sind zum Teil kinderleicht, zum Teil extrem knifflig. So kann man beispielsweise im „Heiligtum des Scion“ stundenlang an vier drehbaren Zylindern herumtüfteln, bis sich schließlich ein Steinpfeiler aus dem Boden erhebt und es endlich weitergeht.

Viele Features des neuen Teils sind dem Spieler bereits aus TR-Legend vertraut. Dazu zählen beispielsweise die Schwierigkeitsstufen, das Checkpoint-System, die Quick-Time-Events, sowie die meisten Boni.

Zu den neuen Belohnungen zählen freischaltbare Kommentare der Entwickler, vierundzwanzig Anniversary-Soundtracks, sowie „Besondere Extras“ (zum Beispiel Stilelemente, die dem Spieler nähergebracht werden, während er sich in vier schauplatztypischen Arealen bewegt.)

Das größte Manko des Spiels besteht in seinem außerordentlich hohen Schwierigkeitsgrad. Nicht nur Anfängern werden einige Stellen den Spielspaß wohl gehörig verderben. So wimmelt es im Level „Der Obelisk von Khamoon“ nur so von tödlichen Fallen. Freut man sich über eine endlich gemeisterte Stelle, warten ein paar Schritte weiter schon die nächsten furchteinflößenden Barrieren auf Lara...

Den Horrorlevel schlechthin sehen die meisten Spieler wohl im Abschnitt „Die große Pyramide“. Kreischende Flugdämonen machen einem das Leben zur Hölle, heimtückische Plattformen ziehen sich langsam über einer Lavagrube zurück, die Kamera spielt verrückt – ist das alles überstanden, stehen auch noch einige der schwierigsten Timeruns des Spiels an...

Mit einer Spielzeit um die 20 Stunden entspricht Anniversary in etwa dem Original. Trotzdem hat man das Gefühl, dass beim Remake einige Passagen stark „zusammengestrichen“ wurden. Mit den riesigen Kulissen des Originals kann Anniversary nicht mithalten. Auch von der beklemmenden Atmosphäre, die in TR1 meisterhaft erzeugt wurde, ist im Remake weit weniger zu spüren. Vor allem der Atlantisabschnitt des neuen Spiels enttäuscht. Vergleicht man „Die große Pyramide“ mit dem gigantischen „Atlantis“-Level aus TR1, fällt der Qualitätsunterschied besonders krass aus. Man erinnere sich hierbei nur an die vielen komplexen Räume, die beim Aufstieg der Original-Pyramide durchwandert werden mussten. Viele Spieler würden diesen abwechslungsreichen Part sicher der endlosen Folge an Präzisionssprüngen, die in Anniversary gemeistert werden müssen, vorziehen.

Das akustische Ambiente des neuen Teils sticht dagegen seinen Vorgänger um Längen aus. Viele der überwiegend düsteren Anniversary-Soundtracks helfen dabei, jene TR1-Atmosphäre wieder etwas aufleben zu lassen, die durch das neue Leveldesign zu kurz gekommen ist.

Trotz einiger Kritikpunkte sehen viele Gamer in Anniversary eines der besten TR-Spiele. Gerade seine anspruchsvollen Passagen bieten einen Ansporn, es nochmals „mit frischen Kräften“ durchzuspielen. Auch die Suche nach Artefakten und Reliquien sowie die (zum Teil extrem schwierigen) Zeitspiele sorgen dafür, dass das Spiel wohl nicht so bald im Regal verstaubt.