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Das Lara Forever Team
Bewertung: 3 
Vertrieb: Eidos Interactive
Entwickler: Crystal Dynamics (USA)
Erscheinungsjahr: 2003/2004
Plattformen: PC, PS2, X-Box
Systemanforderungen PC: Microsoft Windows 98SE/Windows 2000/Windows XP,
Pentium III 700 (oder gleichwertiger Athlon)
128MB Arbeitsspeicher
100% DirectX 9.0 kompatible Sound Karte
Vierfach (4x) CD Rom Laufwerk
100% DirectX 9.0 Kompatible 32MB Direct3D Karte mit TnL Unterstützung
2000 Mb freien Festplattenspeicher
100% DirectX kompatible Tastatur und Maus
Genre: Action-Adventure
USK-Freigabe: Ab 16
Dumm gelaufen: Ex-Vampir und Vorzeige-Zombie "Raziel" wurde am Ende doch ein Spielball seines ehemaligen Herrn und Meisters, dem Anti-Siegfried und Vampir-Chef "Kain". Letzterer konnte sich aber auch nicht so richtig freuen, da er schließlich auch begreifen musste, seinerseits in eine Falle getappt zu sein. "Janos Audron darf nicht erweckt werden, Raziel!" rief er da verzweifelt seinem Busenfreunde aus alten Tage zu. Dieser vernahm seine Worte wohl nicht mehr, da er, zerfressen von der elementaren Macht des "Soul-Reavers", auf die Spektralebene gezogen wurde und dort verschwand.
Ziemlich unspektakular endete an dieser Stelle "Legacy of Kain: Soul Reaver 2", und der Nachfolger "Defiance" knüpft nun genau an diese wirre Ausgangssituation an: Kain begibt sich auf die Suche nach Raziel, während dieser an den gleichen Orten - aber 500 Jahre später - weiter nach Antworten auf seine Fragen sucht. Möbius, Zeitstromlenker und Serafan-Obermotz, mischt natürlich auch wieder mit, und eine weitere Gruppierung taucht auf, die starkes Interesse an den Ereignissen hat...
"Defiance" ist seit Sommer 2003 auch für TR-Fans als Vergleich wichtig, da die Entwickler von "Crystal Dynamics" die künftigen Lara-Spiele entwickeln werden bzw. bereits entwickeln. Somit dürfte "Defiance" (neben "Whiplash" ) das letzte Lebenszeichen aus dem Hause CD sein, bevor sie im Sommer 2005 "Tomb Raider 7" (Arbeitstitel) veröffentlichen wollen.
Im Gegensatz zu den Vorgängern steuert man nun abwechselnd die beiden Hauptcharaktere Kain und Raziel durch die verschiedenen Kapitel. Raziel kann weiterhin durch Dimensionssprünge zwischen der echten und der "Geister"-Welt wechseln, während Kain sich "nur" in der realen Welt herumschlägt, wobei er weiterhin Wasser meiden muss. Die Spezialmoves aus "Blood Omen 2" hat Kain alle - bis auf den Weitsprung, und der ist nur noch an gekennzeichneten Stellen möglich - verlernt. Dafür kann er sich jetzt problemlos durch Gitter bewegen, was Raziel nach wie vor nur auf der Spektralebene gelingt.
Gespielt wird mit Joypad oder Tastatur, wobei die Steuerung der Protagonisten (bis auf einige Spezialbefehle) identisch gestaltet wurde. Der Aktionsumfang ist ziemlich eingeschränkt. Neben einer Laufeigenschaft stehen standardmäßig eine Telekinese-Taste (damit lassen sich entfernte Gegner umwuchten oder Objekte aktivieren) und ein Hüpftaste zu Verfügung, allerdings wird letztgenannte Taste in bestimmten Situationen auch noch für andere Tätigkeiten benötigt. Zwei Angriffbuttons lassen sich in Prügeleien zu massiven Combos kombinieren, wobei durch Kampferfahrung im Laufe des Spiels noch etliche schmerzhafte Spezialattacken freigeschaltet werden.
Das Gameplay ist eigentlich recht einfach: Um Tore zu öffnen, müssen Artefakte eingesammelt und an
vorgegebenen Stellen eingesetzt werden. Anfangs sind dies reine "Such das Teil"-Aufgaben, im Laufe des Spiels müssen aber dann doch kleinere Puzzles gelöst werden, bevor die gewünschten Gegenstände erreichbar sind. Raziel muss dazu erneut öfter mal die Dimension wechseln, allerdings sind diese Passagen nicht mehr ganz so knifflig wie im ersten Soul-Reaver-Spiel.
Raziel kann seinen Spektralreaver erneut mit den Spezialfähigkeiten des SR 2-Vorgängers aufrüsten, jedoch müssen zur jeweiligen Aktivierung nach Erhalt nicht mehr spezielle Schmiedebecken aufgesucht werden; auf Knopfdruck lässt sich bequem zwischen den einzelnen speziellen Reaver-Eigenschaften umschalten. Neu ist dabei, dass Raziel Wasserfälle zu Eis erstarren, in der realen Welt am Grund von Wasserbecken laufen und sich kurzzeitig unsichtbar machen kann.
Damit das Ganze für Anfänger etwas leichter wird, lässt sich eine Tipp-Funktion aktivieren, welche an Schlüsselstellen eindeutige Hinweise in Textform liefert. Auf der PS2 hat diese Funktion auch einwandfrei geklappert, jedoch wurden bei der getesten PC-Version einige Hinweise nicht auf dem Bildschirm ausgegeben.
Neben den für den Spielfortschritt entscheidenden Rätselgegenständen finden sich eine Reihe von anderen Artefakten. Diese können dazu genutzt werden, die Einsatzmöglichkeiten der Telekinese-Option zu verbessern, Boni freizuschalten, oder die Lebensenergieleiste zu verlängern. Die Lebensenergie sinkt nun permanent bei beiden Helden ab, was auch dazu führen kann, dass die gerade gesteuerte Figur ins Gras beißen muss. Daher sind die Akteure gezwungen, fortlaufend ihren Gesundheitszustand aufzufrischen. Wie gehabt: Kain benötigt dazu Blut, während Raziel "Seelennahrung" schluckt. Die Auffrischung der Gesundheit kann über im Spiel verstreute Energie-Becken (welche nach kurzer Zeit erneut benutzt werden können) oder durch das Aussaugen von niedergemetzelten Feinden erfolgen. Damit kommen wir zur den Kampfhandlungen, und Gefechte gibt es in Defiance ziemlich viele.
Das Prügelsystem wurde grundsätzlich von Soul Reaver 2 übernommen, allerdings gibt es keine Block- und Targetfunktion mehr. Letzteres wäre auch nicht mehr tragbar, da man bei Defiance öfter mal mehr als einem halben Dutzend Gegnern gegenüber steht. Anvisiert wird immer der Feind, in dessen Richtung man schaut bzw. dem man am nächsten steht. Kombiniert man Standard- und Spezialangriffe möglichst schnell hintereinander, füllt sich eine unten angezeigte Reaver-Leiste mit Energie. Ist diese Leiste voll, kann für kurze Zeit - je nach Spielfortschritt - ein weiterer durchschlagender Sonderangriff ausgeführt werden.
Mittels der Telekinese-Taste lassen sich Gegner kurzzeitig in der Luft halten, heranziehen oder über tödliche Abgründe bzw. gegen Wände, Möbel oder spitzige Objekte schleudern. Vor allem im wilden Kampfgetümmel ist das irre praktisch, da man sich dadurch mehrere Widersacher zeitweise vom Hals schaffen kann.
Feinde gibt es erneut in verschiedenen bekannten, aber auch in neuen Ausführungen: Froschähnlichen Seelensauger der Unterwelt, Zombie-Krieger mit und ohne Flügel, indianerartige Wesen, dämonische Alien- und Teufelsbiester sowie die sattsam bekannten Vampirjäger des Serafan-Ordens bestimmen das Szenario. Die Serafan-Priester haben neuerdings üble Tricks drauf: Durch Beschwörung verleihen sie ihren anderen Verbündeten defensive oder kampfverstärkende Eigenschaften. Erst nachdem diese - in der Regel durch Zaubersprüche geschützten - Priester eliminiert sind, lassen sich ihre Gefährten leichter aus dem Weg räumen. Jedem geschwächten oder getöteten Gegner kann durch "Aussaugen" in einem definierten Zeitfenster die Lebensenergie entzogen werden, danach ist diese Art der Energieherstellung nicht mehr möglich, und der Gegner sinkt endgültig zu Boden. Speziell bei Kain funktioniert dieses Aussaugen jetzt wesentlich flotter, was ja bei "Blood Omen 2" nicht unbedingt der Fall war.
Es muss noch erwähnt werden, dass man etlichen Schlägereien auch aus dem Weg gehen kann, dann können jedoch auch keine Erfahrungspunkte für Spezialangriffe gesammelt werden. Einige Feinde müssen aber zwingend eliminiert werden, da ansonsten die Ausgänge blockiert bleiben.
Zwischendurch gibt es auch wieder einige Boss-Kämpfe zu bestehen. Grundsätzlich reicht es hierbei aus, wüst
draufzuhauen. Beim einen oder anderen Obermotz empfiehlt sich aber ein taktisches Vorgehen, was aber keinen Spieler (na ja, Anfänger vielleicht schon) recht lange beschäftigen sollte.
Segnet eine Hauptfigur das Zeitliche, beginnt das Spiel beim letzten überlaufenen Rücksetzpunkt, diese dienen auch als Startpunkt für abgespeicherte Spiele. Das ist ähnlich wie bei Blood Omen 2, allerdings merkt sich das Spiel jetzt, welche Aufgaben die Figur bereits erledigt hat. Dadurch müssen Gegenstände an Schlüsselstellen nicht erneut eingesetzt werden, und sogar die meisten bis zum Ableben erledigten Gegner tauchen nicht mehr auf. Dieser Komfort hat allerdings einen Preis: Nach jedem Ableben erscheint ein nerviger Ladebalken.
War Soul Reaver 2 grafisch schon ein hervorragender Titel, legt Defiance - egal ob PC, PS2 oder X-Box - diesbezüglich noch was drauf: Krasse Effekte lassen das Herz höher schlagen und die Spezialattacken sehen teilweise richtig furios aus. Wenn Raziel durch einen Feuerangriff alle Gegner lichterloh brennen lässt oder Kain sich urplötzlich in einen Fledermausschwarm verwandelt...da klappt einem schon mal die Kinnnlade runter. Dazu kommen fein texturierte Umgebungen, schöne Animationen und detaillierte Charaktermodelle, vor allem Kain macht in dieser Hinsicht eine tolle Figur. Defiance braucht sich in dieser Hinsicht nicht zu verstecken und kann es durchaus auch mit PS2-Krachern wie "Primal" aufnehmen.
Die Handlung wird durch eine Reihe von Monologen und Dialogen in längeren Ingame-Filmsequenzen scheibchenweise weitererzählt, die immer mal wieder in den Spielfluß implementiert wurden. Erfreulicherweise werden dieses Mal sogar richtige Antworten auf zwingende Fragen gegeben. Zwar gibt es in dieser Hinsicht mal einen kleinen Durchhänger, aber nach ca. 2/3 des Spiels geht richtig die Post ab, und es folgt ein storytechnischer Höhepunkt mit Wendungen nach dem anderen.
Hier darf in dieser Hinsicht auch nichts verraten werden, da jedes weitere Wort...nur soviel: Als Spieler überkommt einen urplötzlich ein ganz seltsames Gefühl, wenn man erst mit Kain und kurz darauf mit Raziel weiterspielt. Da kriegt man richtig Skrupel, und zu diesem Zeitpunkt weiß man noch nicht, was als nächstes kommt...
Wer die Vorgänger-Spiele und die damit verbundene Story kennt, dem werden diese Filmsequenzen sehr gut gefallen. Ähnlich dachte man wohl auch bei Crystal Dynamics, und daher werden im Laufe des Spiels alle Filmszenen für spielunabhängige Begutachtung freigeschalten.
Die deutsche Synchronisation tut seinen Teil dazu: absolut professionell - kein weiterer Kommentar. Der Sound-FX ist ebenfalls in Ordnung, und die Musik ist unverkennbar LoK-like; es tauchen die Themen aus Soul Reaver 1/2 und Blood Omen 2 auf, und die originelle - aber treibende - Titelmelodie aus Soul Reaver 2 wurde durch einen Remix gar in hymnenhafte Sphären getrieben.
Tja, dann wäre ja alles in Butter, oder? Ist es leider nicht; Defiance hat nämlich auch einige Macken, die einem
das ganze Spiel so richtig madig machen können.
Die Entwickler haben eine unverständliche und absolut unverzeihliche Änderung vorgenommen: Defiance wird nicht mehr aus der Verfolgerperspektive gespielt. Damit hatte man zwar in SR 1/2 leichte Probleme, die hätten sich aber sicher abstellen lassen. Bei Blood Omen 2 wurde mit einer starren Verfolgerperspektive experimentiert, und die war gar nicht mal so übel, allerdings hatte sich das nachteilig auf das verwendbare Kampfsystem ausgewirkt.
In Defiance gibt es nun nur noch fixe Kamerafahrten. Das ist ungefähr mit den "Resident Evil"-Spielen oder mit "Devil may cry" vergleichbar. Manchmal sieht man die Figur von vorne, manchmal von hinten, manchmal von der Seite. Verlässt man einen fixierten Kamerabereich, und der Blickwinkel ändert sich im nächsten Abschnitt, dann ändert sich auch noch die Steuerung! Mit anderen Worten: Gerade läuft man durch Betätigung der Taste X noch nach vorne, so führt das bei der nächsten Perspektive dazu, dass sich die Figur vielleicht sogar in die Gegenrichtung bewegt.
Da kriegt man echt die Krise, da die Kamerawinkel gelegentlich nicht rechtzeitig umschalten und des Öfteren zu Fehleinschätzungen von Abständen und Höhenunterschieden führen. Das ist ungefähr so, als ob "Leela" aus "Futurama" über ihre fehlende Tiefenwahrnehmung klagt.
Verdächtig erscheint es in dieser Hinsicht auch, dass Crystal Dynamics die Jump & Run-Abschnitte ziemlich kurz gehalten hat; wahrscheinlich ist es ihnen selber aufgefallen, dass die Kamerawinkel solche Sachen unnötig erschweren.
Bei den Kämpfen verhält es sich ähnlich: Manche Gegner befinden sich nicht im Sichtfeld und ballern mit Energiestrahlen auf die Figur, und selber merkt man es erst, wenn die Geschosse im eingeschränkten Sichtfeld auftauchen. Noch schlimmer sind Kämpfe auf engem Raum: Da kann es schon mal passieren, dass die Kamera zu nahe heranzoomt und dem Spieler jegliche Übersicht raubt, mal gar nicht davon zu reden, wenn irgendwelche Objekte die Sicht auf die Spielfigur versperren. Da ist es dann fast schon wieder lobenswert, dass die Kämpfe recht simpel gestrickt sind.
Das Kamerasystem führt weiterhin dazu, dass man nicht selten vollkommen die Orientierung verliert und gar nicht mehr richtig weiß, wo man sich befindet bzw. wo man denn eigentlich hin muss. Zwar lässt sich über Tastenkombination eine Ego-Perspektive herstellen, mit der kann man sich aber nur umsehen und die vorgegebene variierbare Kamera-Drehung im Normalzustand bringt auch nicht viel. Auch ist es dann ziemlich nutzlos, wenn im Menüsystem die momentanen Spielziele ("Finden Sie einen neuen Eingang zum Bereich X" ) angegeben sind. Anstelle davon wäre eine Landkarten-Option mit Zielangabe besser gewesen; damit hätte man dieses Problem etwas mildern können.
Erschwerend hinzu kommt noch, dass die meisten Abschnitte ziemlich
ähnlich aufgebaut sind. Zumeist dominieren irgendwelche Rundbauten, und das wird auf die Dauer recht öde. Damit nicht genug: Beide Charaktere durchlaufen in der Regel immer die gleichen Umgebungen. Erst kommt Kain, dann kommt Raziel oder umgekehrt. Das ist zwar storytechnisch sehr gut abgestimmt, aber Story ist dann nun doch nicht alles .
Das Gameplay selbst verschenkt durch die Fixierung auf die oben genannten stupiden Puzzles und Schlüssel-Suchen etliches Potential, zumal tolle Ideen aus Blood Omen 2 nicht den Weg in dieses Spiel geschafft haben. Die Beherrschung von anderen Personen, die Stealth-Angriffe im Nebel…es ist ein Jammer.
Crystal Dynamics hätte sich hier ruhig mal trauen und die Rosinen aus den Vorgängerspielen picken dürfen, dann wäre ein genialer Bastard aus Soul Reaver und Blood Omen entstanden. So bleibt dieser Titel aber weit hinter den Erwartungen zurück, und da hilft es auch nichts, dass man beide bekannten Helden steuern muss.
Wer alle Vorgänger-Spiele kennt und unbedingt wissen will, wie es weitergeht, der wird in Defiance viel Neues erfahren und an der tollen Grafik seine Freude haben, allerdings muss man mit den genannten Mankos leben. Spielen können Defiance auch Neueinsteiger. Wer aber noch nie einen Titel der "LoK"-Reihe gezockt hat, dem wird die ganze Handlung vollkommen unverständlich erscheinen und auch das Gameplay verwirren. Da würde es nur helfen, wenn man sich vorab die Prequels zu Gemüte führt.
Kontextlogische Chronologie von "Legacy of Kain":
"Blood Omen: Legacy of Kain" (1996)
"Legacy of Kain: Blood Omen 2" (2002)
"Legacy of Kain: Soul Reaver" (1999)
"Legacy of Kain: Soul Reaver 2" (2001)
"Legacy of Kain: Defiance" (2003)
Nähere Infos zu den Blut- und Seelensaugern unter www.legacyofkain.de